TV-Duell in Hessen Aggressiver Landesvater gegen trotzigen Aufsteiger

Bouffier attackiert, Schäfer-Gümbel weicht aus: Beim hessischen TV-Duell verschwinden die Inhalte des Wahlkampfs hinter der tiefen Abneigung der Kandidaten füreinander. Das ist vor allem für den Herausforderer fatal.

Von Jens Schneider

Es ist ein altes Spiel, aber selten wird es so gnadenlos exekutiert wie an diesem Abend beim hessischen TV-Duell, gut eine Woche vor der Landtagswahl: Ein Journalist fragt, Politiker antworten nicht. Gar nicht. Sie ignorieren, was der Fragende von ihnen wissen will. Und reden einfach, was sie wollen.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier eröffnet im Hessischen Rundfunk die erste Spielrunde, im Laufe des Abends wird er sich als absoluter Profi in dieser Disziplin erweisen. Der Christdemokrat und frühere Innenminister regiert seit drei Jahren das Land. Als Spitzenkandidat ist er noch nie angetreten, er hat das Amt von seinem Parteifreund Roland Koch übernommen. Dennoch hatte Bouffier in diesen drei Jahren genug Zeit, einen Amtsbonus zu erwerben. Er legte seine frühere Rolle des innenpolitischen Hardliners ab und zeigt inzwischen gern einen fast großväterlichen Gestus.

Bouffier versucht, Schäfer-Gümbel in die Ecke zu treiben

Nur genutzt hat ihm das bisher wenig, laut Umfragen hat er im Direktvergleich keinen signifikanten Vorsprung vor Thorsten Schäfer-Gümbel, dem Herausforderer von der SPD. Woran das liegt, will der Moderator wissen. Bouffier gibt auf diese Frage keine Antwort, er tut nicht mal so, als würde er es versuchen. Wo andere zumindest einen ausweichenden Halbsatz anbieten, geht Bouffier über alles hinweg. Und lieber gleich selbst zur Attacke über. Er versucht, seinen Herausforderer Schäfer-Gümbel in die Ecke zu treiben. Und leitet so Spielrunde zwei ein.

Da kann Thorsten Schäfer-Gümbel zeigen, wie mäßig er seinerseits verschleiern kann, wie er nun ausweicht und eiert. Das ist nicht so sein Feld, was schade für die SPD sein könnte in diesen Tagen. Denn es geht um das zentrale Thema kurz vor der Wahl: die Frage, ob Schäfer-Gümbel sich auch von der Linken zum Ministerpräsidenten wählen lassen würde. Genau vor einer Woche überraschte der 43-Jährige dazu mit einer eigenartig widersprüchlichen Formulierung, und da knüpft er nun an: Formal, so sagt er, schließe er nichts aus, aber er wolle Rot-Rot-Grün trotzdem nicht. In der vergangenen Woche hat er sogar gesagt, dass er ein Bündnis mit der Linken ausschließe. In der Spitzenrunde drängt Bouffier ihn nun. Schäfer-Gümbel solle einfach sein Ehrenwort geben und eine klare Absage an die Linke erteilen. Das sei doch ganz leicht.