"Tatort" aus Köln "Kongo Kongo Kongo - da war doch was"

Wer hat den Arzt Patrick Wangila ermordet? Gerichtsmediziner Roth (Joe Bausch) liefert eine erste Einschätzung zum Tathergang.

(Foto: WDR/Uwe Stratmann)

Nach Hamburg, Hannover, Stuttgart und Luzern kommt jetzt auch aus Köln ein "Tatort" zum Thema Flüchtlinge. Doch das ist nur Mittel zum Zweck.

TV-Kritik von Holger Gertz

Das Thema Flüchtlinge ist aus Sicht der Menschen, die sich die Geschichten für den Tatort ausdenken, eine sichere Angelegenheit. Gibt schließlich immer genug Kritiker, die Floskeln aufgeschlossen gegenüberstehen und dann schreiben, der Tatort habe da doch mal wieder "ein heißes Eisen angefasst" oder womöglich "den Finger in die Wunde gelegt". Flüchtlings-Tatorte werden eher milde kritisiert und mit verlässlicher Aufmerksamkeit geschaut, vermutlich gibt es deshalb so viele davon. Hamburg, Hannover, Stuttgart, Luzern, jetzt auch Köln.

Die Episode heißt "Narben", und es zeigt sich schon am Anfang, dass man Narben und andere Folterspuren sehr schön ins Bild setzen kann, malträtierte Haut sieht aus wie eine Landschaft. Und Elend lässt sich sonntagabends am leichtesten konsumieren, wenn es entsprechend drapiert wird.

Ein aus dem Kongo stammender Arzt wird vor jener Klinik umgebracht, in der er seit Jahren arbeitet. Warum? Eine persönliche Geschichte, die Rache der betrogenen Frau? Oder eine verwinkeltere Angelegenheit?

Die Witwe des Arztes verarbeitet ihre Trauer mit Bogenschießwettbewerben gegen sich selbst

Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) verbringen den ersten Teil des Krimis im Wesentlichen mit der Einkreisung möglicher Täter. Übliche Fragen ("Was sagen denn die Dienstpläne von der Klinik?"), die Kommissare schreiten von da nach dort, fordern Bewegungsprofile von Handys an oder martern sich das müder werdende Hirn. "Kongo Kongo Kongo - da war doch was in den letzten Tagen", haucht Ballauf. Die Witwe des Arztes verarbeitet ihre Trauer, indem sie im Garten Bogenschießwettbewerbe gegen sich selbst veranstaltet, dafür spricht im Flüchtlingsheim der bärtige Leiter in klassischer Sozialarbeiterprosa über seinen Arbeitsalltag.

In diesem Stück von Torsten C. Fischer (Buch: Rainer Butt) wird geredet und geredet und sehr viel geredet, alles unterlegt mit Schenks schwerem Bürohumor. Dem einsamen Ballauf haben sie diesmal wieder eine Geschichte mit der Psychologin Rosenberg (Juliane Köhler) reingeschrieben, die ihn nicht nur in der Ermittlungsarbeit unterstützt, sondern natürlich auch auf etwas verzagte Art mit ihm anbandelt. Wie Kommissar Haferkamp früher mit seiner Ex-Frau Ingrid, nur nicht so charmant.

Trotz aller Fragerei dauert es ewig, bis man endlich erfährt, wer der nette Arzt tatsächlich war. Ein sehr durchschnittlicher Tatort. Und das Thema Refugees ist eher Mittel zum Zweck: Relevanz soll mal wieder die Schwächen einer Story übertünchen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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