"Tatort" aus Köln Der Fall löst sich wie von selbst

Natürlich gibt es bei den Kölner Ermittlern Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) auch in diesem "Tatort" Privatkram zu erledigen.

(Foto: WDR/Martin Menke)

Keine Experimente, keine zweite Ebene: "Nachbarn", der neue "Tatort" aus Köln, wirkt wie vom Reißbrett. Noch nicht einmal die Kommissare müssen sich besonders anstrengen.

Von Holger Gertz

Im Kölner Tatort spielen sie ihr Ding mal wieder gewohnt routiniert runter, Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) sind die Traditionalisten unter Experimentalkünstlern am Sonntagabend. Und sie sind Akkordarbeiter: "Nachbarn" ist ihr dritter Fall im Jahr 2017, und die Musik gleich zu Beginn untermalt, dass die Kölner sich mit subtilen Andeutungen nicht aufhalten, das Schwebende ist nicht ihr Metier. Stattdessen gleich in die Vollen. Über Momente des nachbarschaftlichen Zusammenlebens wird "Happy" von Pharrell Williams gelegt, damit ist dann jedem klar: Wenn die Fassade so schön ausgemalt wird, wird es eine böse Wahrheit hinter der Fassade geben. Und tatsächlich: Grad noch wackelt ein Wackel-Elvis im Führerhaus, schon fällt jemand vom Himmel auf die Straße, und der Gerichtsmediziner darf einen Satz formulieren, der in seiner behaglichen Erwartbarkeit in den Kölner Tatort passt: "Da sage noch einer: Alles Gute kommt von oben ..." Danach wird an Türen geklingelt, und Kommissar Ballauf, im Dienst seit 1997, droht mit seiner immer etwas belegt klingenden Stimme: "Ballauf, Kripo Köln: Können wir Sie mal kurz sprechen?"

Ein "Tatort" vom Reißbrett, keine Experimente, keine zweite Ebene

Die Kölner Kommissare müssen sich auch in dieser Episode (Buch: Christoph Wortberg; Regie: Torsten C. Fischer) nicht sehr anstrengen, es reicht mal wieder, die Verdächtigen in dieser Nachbarschaft abzuklappern, der Fall löst sich auf diese Weise wie von selbst. Eine Frau kann nur schwer sprechen, außerdem spielt in Werner Wölbern ein populärer Schauspieler mit. Aficionados wissen: die Promis und die Wunderlichen werden am Ende noch wichtig. Werden sie auch hier: ein Tatort vom Reißbrett, keine Experimente, keine zweite Ebene, Mörderraten der beinhart konventionellen Art.

Natürlich gibt es bei den Ermittlern auch Privatkram zu erledigen, aber um das Publikum auch hier nicht zu überfordern, wird das Oberthema Nachbarschaft im Seitenstrang gleich noch einmal strapaziert. Meister Bär hat Ärger mit dem lauten Papagei eines Nachbarn, in zwanzig Dienstjahren ist so etwas auch noch nicht vorgekommen. Um den erwartbar konstruierten Kölner Tatort also mit einem angemessen erwartbaren Wortspiel zu begrüßen: Ara, wem Ara gebührt.

ARD, Sonntag 20.15 Uhr.

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