SWR-Kultur-Chefin Martina Zöllner:Wo die beste Oper Deutschlands steht

Lesezeit: 4 min

Durch die Beförderung ist sie nun auch für Wissenschaft und Bildungsprogramme, Schulfernsehen und Kirche zuständig. "Die Gretchenfrage ist natürlich, wie viel Kultur geht noch wo?", sagt sie und weiß, was für eine Aufgabe da auf sie zukommt.

Die Budgets der Sender werden auf absehbare Zeit nicht mehr erhöht werden, eher verringert. Sie glaubt, "dass es eine zentrale Aufgabe ist, in unserem dritten Programm das abzubilden, was hier in dieser Region, im Südwesten Deutschlands, kulturell läuft" und lobt: Die Gegend gelte zwar als Provinz mit sehr viel ländlichem Raum, aber trotzdem sei viel geboten: "Große Pop-Konzerte, wichtige Filmfestivals, große Klassikveranstaltungen, ich würde sagen, die beste Oper Deutschlands ist die Stuttgarter".

Das kann man anders sehen, aber das alles auch zu zeigen "in den Gefäßen, die das Dritte zur Verfügung stellt, so lebendig und reportagig wie möglich, das wäre ein Ziel". Sie weiß, dass ein Fernsehereignis auch dadurch eines wird, dass es als Ausnahme deklariert ist. In der ARD wertet man mit Sonderprogrammierungen zum Beispiel Dokumentarfilme auf, für die es eigentlich keinen guten Regelsendeplatz gibt. Zöllner will solche Programmevents schaffen, "auch für Kultur", und fühlt sich von SWR-Chef Peter Boudgoust "klar ermutigt" in diese Richtung zu denken.

Der Fernsehkarriere hat sich Zöllner aber immer wieder zeitweise entzogen. Sie hat zwei Romane geschrieben (Bleibtreu 2003; Hundert Frauen 2009) und als sie 2008 privat für ein Jahr nach Israel ging, hat sie ihr damaliger Chef Egon Mayer, dem sie nun im Oktober nachfolgte, mit einer gewissen Sympathie ziehen lassen. Sie hat sich also womöglich eine Freiheit erhalten, und es wird auch diese Haltung sein, die sie beim SWR anwenden wird. Als Kulturchefin muss sie eine Haltung entwickeln zu dem Dilemma, vor dem die Dritten ARD-Programme generell stehen.

Seit die Digitalisierung dafür sorgt, dass alle Dritten bundesweit empfangbar sind, ist die Wiedererkennung für das Profil eines Senders wichtiger denn je. Das Problem daran ist der kurze Weg von Regionalität zu Provinzialität. Schreiend schlechte Sendungen in den dritten Programmen gibt es zuhauf, der Drall ins Kleine bringt nicht zwingend Verbesserung. Aber er kann überraschen, wenn er mit den Möglichkeiten des Fernsehens spielt: Das zeigte der Bayerische Rundfunk (BR) mit seiner Bayernsoap Dahoam is dahoam oder der Serie Kaiser von Schexing.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB