"Stuckrads Homestory" im RBB Das Gold des Gewöhnlichen

Nachdenken über ausverkaufte Stadionkonzerte: Udo Lindenberg (links) und Benjamin von Stuckrad-Barre in der leeren Berliner Olympia-Schüssel.

(Foto: rbb)

Der Reporter Benjamin von Stuckrad-Barre geht in seiner neuen Sendung für den RBB auf Hausbesuche und findet bei Jimi Blue Ochsenknecht, Udo Lindenberg und Katja Ebstein das Interessante im scheinbar Gewöhnlichen.

Von Cornelius Pollmer

Zum Kunsthandwerk des Reporters Benjamin von Stuckrad-Barre gehört die seltene Fähigkeit, im Gewöhnlichen das eigentlich Interessante zu erkennen. Fernsehöffentlich begab er sich zuletzt in seiner eigenen Late-Night-Show auf wunderbare Expeditionen in die Normalität, dort allerdings konnte er ihr allein in Wesen und Vergangenheit seiner Gäste nachspüren.

Bei den nun folgenden Hausbesuchen in Stuckrads Homestory steht dem Reporter zusätzlich die verdinglichte Gewöhnlichkeit seiner gastgebenden Gäste zur Verfügung, in Gestalt der Wohnung und deren Einrichtung. Das Gold des Gewöhnlichen sucht Stuckrad-Barre bei Jimi Blue Ochsenknecht, mit Udo Lindenberg und Katja Ebstein.

Es glücken ihm dabei einige Schürfwunder, zu den größeren zählt jener Moment, in dem Bettina Böttinger auf ihr Bücherregal zeigt und sagt: "Das ist der andere Hund". Fienchen wischmoppt weiter fröhlich über den Parkett-oder-Laminat-Boden, während Böttinger und Stuckrad-Barre die Box mit der Asche ihres Vorgängers schütteln. Nachher wird dann noch im Park das weggemacht, was auch bei Hunden hinten rauskommt, das Geschehen rieselt wirklich erschreckend unspektakulär dahin.

Auf der Gero-von-Boehm-Skala für intensive Interviews erreicht Stuckrad-Barre mit diesem Ansatz natürlich einen eher niedrigen Wert, dies aber bewusst: "Ich bin großer Fan von Normalität, weil ich selbst damit gar nicht dienen kann. Ich finde sie auch aussagekräftiger als diese abstrakten Gespräche: Was waren Sie für ein Kind, was ist Ihnen wichtig, kaufen Sie regionale Produkte? Dieser ganze Bullshit."

"Gelandet bei Udo Walz"

Die Beiläufigkeit erweist sich als guter Nährboden. Udo Lindenberg denkt in der leeren Berliner Olympiaschüssel über ausverkaufte Stadionkonzerte nach und berichtet an der Hotelbar, wie er in Los Angeles einst unter Wasser das Rollschuhfahren erlernte.

Bei Bettina Böttinger zieht Stuckrad-Barre gleich nach dem Komm-doch-rein noch an der Türschwelle eine feine Konfliktlinie: Duzen wir uns? Böttinger stockt kurz. Es entstehen kleine Porträts, die - wie stets auch die Texte Benjamin von Stuckrad-Barres - ihr Publikum nicht mit Offensichtlichem zu gewinnen versuchen.

Manchmal gehen diese Porträts gar über die Person hinaus, so geschehen bei Katja Ebstein. Die Begegnung mit ihr fasst Stuckrad-Barre in einem Satz zusammen, der im Grunde auch für die Intellektuellen-Hauptstadt Berlin als Ganzes gilt: "Eigentlich wollte sie über Stéphane Hessel reden, aber gelandet sind wir dann bei Udo Walz."

Stuckrads Homestory, RBB, donnerstags, 22.45 Uhr.