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Serie:Doch noch mehr "Tatort" als "House of Cards"

Amazon produziert "You Are Wanted" nach amerikanischen Vorbild. Die große Stärke der deutschen Serie ist allerdings auch ihre größte Schwäche: Protagonist Matthias Schweighöfer.

Von Katharina Riehl

Sollte You Are Wanted am Ende womöglich doch ein tragischer Flop werden, dann lag es ganz bestimmt nicht am Einsatz von Matthias Schweighöfer. Seit Tagen erklärt der Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller der geneigten Presse von Programmzeitschrift bis Nachrichtenmagazin sein Leben und seine sechsteilige Serie. Denn Amazons erste deutsche Eigenproduktion soll ja nicht nur das Deutschlandgeschäft des Onlinehändlers in eine noch strahlendere Zukunft führen, sondern gleich auch die deutsche Fernsehserie im Allgemeinen. Der Hörzu zum Beispiel sagte er: "Wenn meine Serie die deutsche Antwort auf House of Cards wäre, wäre ich extrem stolz." Und im Presseheft zu You Are Wanted erklären die Auftraggeber, die Produktion zeige, wie "Unterhaltung made in Germany aussehen kann".

Kleiner geht es nicht in diesem Jahr, in dem die Fernsehmacher des Landes den Beweis antreten wollen, dass es doch gefälligst möglich sein muss: eine Serie aus Deutschland, mit deutschen Schauspielern und einer deutschen Geschichte, die mindestens so gut ist wie die gefeierten Produktionen der Amerikaner, der Briten, der Skandinavier. Noch im März starten neben der von Schweighöfer so ausdauernd beworbenen Serie auch The Same Sky von Oliver Hirschbiegel im ZDF und Sönke Wortmanns Charité im Ersten; Babylon Berlin, Tom Tykwers Großprojekt für Sky und die ARD, ist seit Kurzem abgedreht, die erste deutsche Netflix-Serie entsteht in Berlin. Sie alle verbindet die große Entschlossenheit, jetzt aber wirklich das deutsche Serienfernsehen vom Verdacht der Mittelmäßigkeit zu befreien. You Are Wanted startet entsprechend unbescheiden gleichzeitig in 200 Ländern und wurde in vier Sprachen synchronisiert.

"You Are Wanted": Fernsehen in der deutschen Gegenwart

You Are Wanted unterscheidet von den anderen Geschichten, dass die Revolution des Fernsehens hier in der deutschen Gegenwart stattfinden soll, nicht im geteilten Berlin der Siebzigerjahre (The Same Sky), nicht im Berlin der Zwanzigerjahre (Babylon Berlin) und nicht in einem Berliner Krankenhaus im Jahr 1888 (Charité). In You Are Wanted geht eines Abends in Berlin das Licht aus und ein Familienvater wird Opfer eines Hackerangriffs. So weit weg vom historischen TV-Event, der Lieblingsdisziplin des deutschen Fernsehens, hat sich sonst bislang noch keiner der neuen Serienmacher gewagt.

Schweighöfer spielt diesen Lukas Franke, den jungen Eventmanager, der Pakete bekommt, die er nicht bestellt hat, dessen Frau (Alexandra Maria Lara) Nacktbilder einer anderen auf dem iPad vorfindet, dessen eigenes Gesicht auf Überwachungsvideos auftaucht - auf Videos von Orten, an denen Franke niemals war. Jemand hat sein digitales Leben gestohlen, das vom realen niemals zu trennen ist. Das ist die Botschaft: Machst du dich im Netz angreifbar, machst du dich überall angreifbar. Irgendwann stürmt die Polizei sein hübsches Häuschen am Stadtrand von Berlin.

Zwei Jahre lang haben sie bei Amazon nach einem Stoff gesucht für die erste deutsche Serie des digitalen Alleshändlers. Von den Streaminganbietern und Bezahlsendern, die auf ein Abo-Publikum setzen und nicht auf Einschaltquote, werden seit den Erfolgen von Serien wie Breaking Bad große Erzählungen abseits des Konsensfernsehens erwartet. Während ARD und ZDF den Serienboom bislang sehr öffentlich-rechtlich - also weitgehend frei von erzählerischen Risiken - begleitet haben, verheißen Amazon und Netflix ein radikal anderes Fernsehen.

Genau das ist You Are Wanted aber nicht. Die Serie wettet auf die Breitenwirkung eines Schauspielers, über den der deutsche Amazon-Programmchef Christoph Schneider sagt: "Matthias Schweighöfer ist eine Identifikationsfigur, er hat Fans zwischen acht und 80. Er polarisiert auch relativ wenig verglichen mit anderen Schauspielern seiner Bekanntheit."

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