Spätestens hier wird klar, was nun kommt: ganz großes Theater. Man fühlt sich an die Königsdramen Shakespeares erinnert, wenn Held, der bald als Bandenboss "Don" Bosco tot sein wird, deklamiert: "Ein Mann kehrt zurück / und im Gepäck der Ballast der Vergangenheit / nun wird er zum Weh der Gegenwart . . ."

Dass es hier aber nicht nur um großes Theater, sondern auch um großes Kino geht, zeigt uns der Schmetterling am Ende des Vorspanns, der den Zuschauer rätseln lässt: Wie jetzt, Richard III. oder Schweigen der Lämmer oder was? Oder doch Billy Wilder, in dessen Film "Sunset Boulevard" die Leiche munter weiter redet.

Dazu setzt die vom HR-Sinfonieorchester eingespielte Filmmusik ein, die von Beethoven über Chopin, Sibelius, Grieg, Vivaldi und Bach kaum etwas auslässt, was Rang und Namen und Unter-die-Haut-geh-Potenzial besitzt. Der Showdown am Ende, ästhetisch bei Tarantino entlehnt, wird dann mit Verdi unterlegt: mit dem Freiheits-Chor (Gefangenen-Chor) aus Nabucco.

Radikal frei oder im Kunst-Klischee gefangen - auch so eine Frage, die dieser Extrem-"Tatort" aufwirft.

Bild: HR 13. Oktober 2014, 17:582014-10-13 17:58:02 © SZ.de/pak/lala