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RTL-"Dschungelcamp":Kotzen! Heulen! Scheitern!

An dieser Stelle lässt sich der Bogen von der amerikanischen Ostküste zurück in die deutschen Wohnzimmer spannen. Auch die Autoren des RTL-Dschungelcamps gelten als Meister des hintergründigen Humors. "Genialisch" sei das, was denen so einfiele, jubelte Ulf Poschardt anlässlich der sechsten Staffel in der Welt am Sonntag. Durch die "postmoderne Doppelkodierung" der Moderatoren böte RTL auch der "anspruchsvolleren Klientel" etwas. Dann machte er sich noch ein bisschen über die inzwischen verstummten Stimmen des Kulturpessimismus lustig, die "in ihrer Schlichtheit längst trashiger anmuteten als jene Fernsehformate, die es im Land der Dichter und Denker stets schwer hatten".

Wer sich auf die Welt des Dschungelcamps einlässt, wer also nicht nur die abendlichen Folgen bei RTL, sondern auch die vielen Begleittexte und -Filmchen auf Bild.de oder das Jubeltagebuch bei Spiegel Online verfolgt, stellt schnell fest, dass die herkömmliche Form der Kulturkritik in diesem Fall tatsächlich ins Leere läuft. Der kleine Reality-TV-Planet und seine begeisterten Trabanten aus den anderen Medienhäusern liefern diese gleich mit. Beispiel Berger: Als der einstmals "schönste Mann der Welt" und heute schwer angeschlagene Ex-Schauspieler das Camp aus gesundheitlichen Gründen kurz nach dem Sendestart wieder verlassen musste, erklärten die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow das Ganze kurzerhand selbst zum "Beschiss".

Sie hätten nur deshalb so viele geschmacklose Alkoholikerwitze über den 68 Jahre alten Berger gerissen, weil sie gewusst hätten, dass seine Zeit als Teilnehmer begrenzt sein würde, sagten sie. Dann warfen sie zur Illustration ein paar gutgefüllte Papierordner von ihrer Hängebrücke. Mitunter machten sie sich sogar über das eigene Publikum lustig, etwa wenn Hartwich zu Beginn einer Folge erklärte, das Thema sei diesmal "Nachtwache". Und da, sagte er feixend, denke "der durchschnittliche RTL-Zuschauer natürlich sofort: Hach, Nachtwache, genau wie das berühmte Bild von Rembrandt".

Wer von sich selbst offen sagt: Ja, wir sind abgebrühte Zyniker, und wir führen unsere verwahrlosten "Z-Promis" (Bild) nur vor, an dem perlt jede gleichlautende Kritik naturgemäß ab. Alles nur Spaaahaß, brüllen einem die Hipster von RTL entgegen. Und es stimmt ja sogar, die Dialoge von Zietlow und Hartwich sind um Längen besser als fast alles, was sonst unter dem Label Comedy im deutschen Fernsehen läuft. Doch wer die Sendung schaut, bekommt eben nicht nur den ironischen Metatext und die Poschardt'sche Doppelkodierung für Anspruchsvolle.

Er bekommt auch und vor allem das kommentierte Rohmaterial: Die Brustwarzen, die beim missglückten Versuch des teilnehmendes Amateurmodels Fiona, sich im Tümpel den Bikini zurechtzurücken, für Sekundenbruchteile zu sehen sind - in Nahaufnahme! Helmut Bergers Unterleib, als er im Dunkeln an den Rand des Camps wankt, um dort zu pinkeln - mit der Nachtsichtkamera rangezoomt! Oder die wegen ihrer Tapsigkeit immer wieder vom heimischen Publikum für die "Dschungelprüfungen" auserkorene Georgina. Beim Kotzen! Beim Heulen! Beim Scheitern!

Wenn es eine deutsche Fernsehshow gibt, die das Elend der Ironie verkörpert, das Christy Wampole beschreibt, dann das Dschungelcamp. Nicht wegen der vermeintlich "unmenschlichen" Prüfungen; wenig ist so menschlich wie Schadenfreude. Trüb und leer wird es dort, wo ein Teil des Publikums meint, die Ironie adle das Vulgäre und er oder sie selbst stünde schon deshalb über dem z-prominenten Rohmaterial, weil er die drübergestreuten Witzchen und Popzitate versteht. Wer das glaubt, ist selber Z. Z wie Zuschauer.

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