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Pulitzer-Preis für Panama Papers:Andere Arbeitsweisen als die des einsamen Wolfs

Hat denn wirklich niemand geredet? Kam gar nichts vorher raus?

Ich bezweifle nicht, dass alle es ihrem engsten Umfeld erzählt haben. Den besten Freunden, dem Partner. Das macht man einfach. Dass trotzdem nichts rausgekommen ist, spricht für die beteiligten Journalisten. Niemand hatte ein Interesse daran, dass die Recherchen ans Licht kamen. Bis zum Schluss ist nichts nach außen gedrungen.

Gerard Ryle Panama Papers Pulitzer

Sonst in Washington, gerade in Amsterdam: Gerard Ryle, Direktor des ICIJ und Pulitzer-Preisträger.

(Foto: ICIJ)

Die Welt ist globalisiert und sehr komplex geworden. Sind solche internationalen Kooperationen die Zukunft des Journalismus?

Ich denke, es wird durch den Erfolg der Panama Papers üblicher werden, dass Journalisten zusammenarbeiten. Das funktioniert nicht für jede Geschichte, man muss entscheiden, welche man als Kooperation macht und welche nicht. Aber wir haben gezeigt, dass Journalisten tatsächlich zusammenarbeiten können. Normalerweise sind wir ja gern einsame Wölfe. Ich sage das als jemand, der seit fast 30 Jahren als Journalist arbeitet. Vom ersten Tag an bekommt man gesagt: Finde einen Knüller und erzähl niemandem davon. Wir haben bewiesen, dass es auch andere Arbeitsweisen gibt.

Viele Menschen haben das Vertrauen in die klassischen Medien verloren. Können Projekte wie die Panama Papers das ändern?

Ich war schon immer davon überzeugt, dass Journalismus genau das tun sollte: Dinge enthüllen, die für die Leser zählen. So geht echter Journalismus. Und das ist mehr als das, was die meisten Medien heute so tun. Das kann nur gut für uns sein und es zeigt, dass es auch aufregend sein kann, im Dienst der Öffentlichkeit zu arbeiten und nicht nur für sich selbst.

Sind Sie zufrieden mit den praktischen und politischen Folgen, die die Panama Papers gehabt haben?

Es gab 150 Untersuchungen in 80 Ländern, darüber kann man sich nur freuen. Aber es wird noch lange dauern, bis wir alle Nachwirkungen sehen. Die Skeptiker werden natürlich sagen, dass schlechte Menschen auch weiter schlechte Dinge tun werden. Aber es ist der Job des Journalisten, die Leute daran zu erinnern, dass diese Dinge passieren. Ich denke, es macht einen Teil des Erfolgs der Panama Papers aus, dass die Geschichten über einen langen Zeitraum hinweg erzählt wurden. Dadurch wurde immer wieder daran erinnert.

Ihre Stellvertreterin beim ICIJ, Marina Walker, hat heute Morgen gepostet, dass sie sich zwar über den Pulitzer-Preis freue, aber dass auch noch 30 000 Dollar für Ihre nächste Recherche fehlen. Wie geht es jetzt weiter - und wird Ihnen der Preis dabei helfen, kommende Projekte zu finanzieren?

Wir sind eine Nonprofit-Organisation und müssen überleben. Das heißt, dass wir auf Spenden angewiesen sind, um weitermachen zu können. Deshalb bin ich auch gerade hier in Amsterdam - ich hatte gestern und heute Treffen mit verschiedenen Organisationen. Das ist auch Teil meines Jobs als Direktor. Ich bin nicht mehr einfach Journalist, sondern muss auch Geld einwerben. Das bedeutet, dass wir relevant bleiben müssen - sonst gibt uns niemand Geld.

Haben Sie einen Unterschied bemerkt zwischen den Treffen von gestern und denen von heute, nach dem Pulitzer-Preis?

Ich hatte heute sehr erfreuliche Treffen, das ist alles, was ich dazu sagen kann. Es war heute sehr, sehr leicht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Meine Reisen dienen aber auch dazu, mich für Förderung zu bedanken. Dafür, dass Leute uns unterstützt haben, als wir noch nicht "berühmt" waren, also vor den Panama Papers. Es war sehr schön, Danke zu sagen - und dass dieser Preis auch unseren Unterstützern gilt.

© SZ.de/gal
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