Pro Sieben und Sat 1 suchen Stimmen-Stars Casting nach dem Anti-Bohlen-Prinzip

Schon wieder eine neue Casting-Show? Pro Sieben und Sat 1 suchen nun "The Voice of Germany". Sie wollen es aber anders als die vielen Vorgänger machen - und ohne unmenschliche Beleidigungen auskommen. Außerdem sollen die Juroren gegeneinander antreten.

Von Moritz Baumstieger

Wenn Dieter Bohlen etwas geschafft hat, dann doch, dass der geübte Zuschauer seine Sprüche in manchen Situationen schon automatisch mitdenkt. Seit neun Jahren gibt Bohlen als Chefjuror von Deutschland sucht den Superstar den präpotenten Schulhof-Macker, der stark ist, weil er andere auslacht. Wenn eine Frau wie Nina Kutschera bei einer Casting-Show den Mund aufmacht, erwartet man eigentlich gleich ein paar hämische Worte zu eingespielten Furzgeräuschen.

Nina Kutschera ist ziemlich dick, anders kann man das nicht sagen. Furzgeräusche und Witze über Körpermaße bleiben beim neuen Castingformat The Voice of Germany von Pro Sieben und Sat 1 allerdings aus. Was teils sicher an versöhnlichen Juroren wie Nena und Xavier Naidoo liegt, vor allem aber am Konzept der Show Die Juroren müssen sich für oder gegen einen Kandidaten entscheiden, ohne dessen Gesicht zu sehen - sie hören zuerst nur die Stimme. Schon wieder eine Casting-Show also, wobei die Sprachregelung der involvierten Sender in der Wortzauberei besteht, dass The Voice keine Casting-, sondern eine Musikshow sei. Die Hoffnung auf das Projekt jedenfalls ist groß, denn die Quoten des Formats im Ausland waren gigantisch. Die von John de Mol (Big Brother) entwickelte Show verkaufte sich in mehr als 30 Ländern und erreichte in de Mols Heimat Holland in der zweiten Staffel unglaubliche 59,7 Prozent Marktanteil.

Und nachdem Pro Sieben und Sat 1 den Castingkuchen fast komplett der RTL-Gruppe überlassen mussten - die eigenen Formate Star Search (Sat 1) und Popstars (Pro Sieben) haben sich vor allem in den späteren Staffeln quotenmäßig eher schwergetan - sehnt man sich nach Erfolg. So sehr, dass die Sender nun gemeinsam angreifen und The Voice abwechselnd zeigen. So kann man zum Beispiel auch das Publikum zweier Sender in allen verfügbaren Boulevard- und Frühstücksmagazinen mit Backstageberichten berieseln.

Dass Zahlen wie aus den Niederlanden auf dem deutschen Fernsehmarkt utopisch sind, weiß man auch in Unterföhring. Die Konkurrenz aus Köln jedenfalls macht es auch nicht gerade leichter: Anfang November änderte RTL sein Programm für diesen Donnerstag und schickt Bohlens Zweitshow Das Supertalent gegen The Voice ins Rennen - bei zuletzt 35,2 Prozent Marktanteil keine angenehme Konkurrenz. Pro Sieben und Sat 1 machen nun (wie eigentlich schon Stefan Raab bei der Suche nach einem Eurovision-Kandidaten) das nette Anti-Konzept zu Bohlen, weshalb Teilnehmerin Nina im Einspielfilm ständig berichten muss, dass hier endlich einmal nicht ihr umfangreiches Äußeres zähle.

Tatsächlich neu aber ist, dass die Show auch das Casting-Prinzip umgedreht hat. Bei The Voice konkurrieren auch die Juroren, und zwar um die Talente, die sie "coachen" und in insgesamt 17 Folgen ins Finale führen wollen. Deshalb muss auch The Voice nicht ohne Fäkalsprache auskommen. Das Wort "Scheiße" verwenden alle Juroren gerne, wenn sie im Rennen um einen Kandidaten unterliegen.

Das schönste Schimpfwort der ersten Sendung kommt aber vom irischen Juror und Reamonn-Sänger Rea Garvey. Der findet die Stimme einer Kandidatin einfach "un-fucking-fassbar". Das macht fast ein wenig Hoffnung auf echten Rock'n'Roll.

Folge eins, Pro Sieben, 20.15 Uhr; Folge zwei, Sat 1, Freitag, 20.15 Uhr.

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