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Presseschau zur Wahl in Frankreich:Demokratie in Frankreich gerettet

Die Demokratie in Frankreich sei gerettet worden, schreibt Gazeta Wyborcza aus Warschau: "Le Pen hat eine Zukunft, die V. Republik ist schon Vergangenheit. Der neue Präsident muss es mit der angreifenden Front National aufnehmen und mit der unerträglichen Last der nicht funktionierenden demokratischen Institutionen. Aber für den Moment sollten wir uns freuen, dass die Demokratie in Frankreich gerettet wurde. Ohne Frankreich wären von der EU nur Schutt und Asche übrig."

Von zwei gegensätzlichen Vorstellungen von Europa schreibt El País: "Der nächste Präsident wird entweder ein Ex-Banker mit geringer Erfahrung und einer europäischen und liberalen Botschaft sein oder die Erbin der Ultrarechten, die einen Austritt aus der EU befürwortet."

Die Präsidentenwahl spiegele "ein Land, das zwischen Angst und Agonie schwankt, zwischen Depression und Aufruhr taumelt - und das vor allem den Glauben an sich, seine Politiker und deren gestalterische Kraft verloren hat", schreibt Die Presse aus Wien. Ähnlich klingt die belgische De Tijd: "Der Populismus, von rechts wie von links, hat sich in der französischen Politik verankert."

Viele Zeitungen sehen den Wahlausgang jedoch auch kritisch - und warnen vor voreiliger Euphorie.

Der britische Guardian etwa rechnet zwar mit Macron als nächstem französischen Präsidenten, gibt sich jedoch nur vorsichtig optimistisch: "Das europäische Projekt hat gewonnen - wenigstens für den Moment", heißt es. Differenziert bewertet Lidove noviny aus Prag das Ergebnis: "Im Anschluss an die Präsidentenwahlen erwartet die Franzosen im Juni die Entscheidung über ein neues Parlament. Die Erfahrung zeigt, dass die Wähler auch einen Sieger Macron dann nicht automatisch unterstützen müssen. Seine Bewegung En Marche! steckt noch in den Windeln. (...) Im Extremfall wird Macron ein schwacher Präsident sein, mit wirklichem Einfluss nur auf Diplomatie und Verteidigung. Das wäre für Europa eine schlechte Nachricht, fast so schlecht wie ein Wahlsieg (Marine) Le Pens."

Die Neue Zürcher Zeitung verknüpft den Ausgang der Präsidentenwahl mit einer Aufforderung an Macron, sich auf dem Sieg aus der ersten Runde nicht auszuruhen: "Für die zweite Runde der Präsidentenwahl am 7. Mai sagen die Meinungsumfragen eine klare Niederlage für Le Pen voraus. Aber auf den "Front républicain" gegen die extreme Rechte ist kein Verlass mehr, ein Wahlsieg Le Pens liegt im Bereich des Möglichen - falls genügend enttäuschte Bürgerliche zu ihr überlaufen und genügend enttäuschte Linke sich der Stimme enthalten. Um Le Pen überzeugend zu schlagen, wird Macron sein Profil schärfen müssen. Es reicht nicht, nett zu wirken."

Am kritischsten zeigen sich jedoch US-Blätter. "Aber das gute Abschneiden von Frau (Marine) Le Pen - die ein Referendum über das Verbleiben Frankreichs in der EU versprochen hat - ist ein weiteres Warnsignal für die steigende Gefahr durch populistische rechte Politiker, in Europa und auf der ganzen Welt", heißt es in der New York Times. Ähnlich klingt die Washington Post: "Was auch immer das Endergebnis sein wird, Le Pen und ihre Partei werden nicht verschwinden. Sie stehen für Gefühle, die real sind, die in jedem westlichen Land existieren, und die nun am besten offen, Punkt für Punkt, Argument für Argument bekämpft werden müssen - denn sie stellen eine echte und große Bedrohung für die liberale Demokratie dar, wie wir sie kennen."

© SZ.de/smb/cag/dd
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