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Presseschau zur NRW-Wahl:"Nackenschlag-Triple für die SPD"

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen - SPD in Berlin

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz und die übrige Parteispitze bei der Wahlparty in der Parteizentrale in Berlin

(Foto: dpa)

Desaster für die SPD, der Wiederaufstieg der FDP und die große Gewinnerin im Kanzleramt - die Presseschau zur Landtagswahl in NRW.

Schwarzwälder Bote (Oberndorf): War es das dann auch schon für alle Kanzlerträume des Martin Schulz? Das nicht. So etwas wie die halbe Miete für das Abschneiden der Merkel-CDU bei der Bundestagswahl im Herbst ist das Ergebnis aus dem größten Bundesland aber schon. Mit ihrem schnellen Rücktritt nimmt Hannelore Kraft den SPD-Kanzlerkandidaten zwar erst mal aus der Schusslinie. Das ist honorig. Doch mehr und mehr sind es Strohhalme, nach denen die Sozialdemokraten noch greifen. War der Schulz-Hype bloße Einbildung? Immerhin: Es bleibt noch Zeit. Warum aber sollte die CDU aus dem Tritt geraten?

Rheinische Post (Düsseldorf): Der Erfolg der Liberalen in NRW ist herausragend, und es ist vor allem der Erfolg des Christian Lindner, der sich im Herbst kaum Sorgen machen muss, dass die FDP den Einzug in den Bundestag verpasst. Die FDP hat den Igitt-Faktor von 2013 abgelegt. Sie wird gebraucht, ja von vielen offenbar sogar wieder geliebt.

Wahl in NRW

Jubel bei der CDU, Sozialdemokraten unter Schock

WDR (Köln): Zack, zack, zack. 3:0 für die CDU. Und jetzt? Stellt die SPD in Berlin plötzlich schnell Forderungen auf, sieht es wie eine Panikreaktion aus. Steuert sie behutsam nach, könnte das zu zaghaft wirken. Die SPD hatte Anfang des Jahres das Momentum. Sie hat es verloren. Natürlich kann noch viel passieren. Und Totgesagte leben länger. Siehe FDP. Doch welche Themen sollen der SPD den Sieg im September bringen? Am Abend sprach Schulz von Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit. Von Konkretisierungen, die nun kämen. Die sind dringend nötig.

Nordkurier (Neubrandenburg): Die Gelassenheit der Kanzlerin strahlte bis hinein in die Länder. Merkel und Laschet haben sich von der schnellen, zackigen, wirren Fahrt des Schulz-Zugs nicht verrückt machen lassen - und gepunktet.

Mittelbayerische Zeitung (Regensburg): Die Kanzlerin hat sich weder vom Schulz-Hype der vergangenen Monate irremachen lassen, noch hat sie den Forderungen aus CSU- und CDU-Konservativen-Kreisen nachgegeben, noch klarer einen rechten Kurs einzuschlagen. Merkel hat zudem nicht nur Schulz ausgesessen, sondern auch die rechtspopulistische AfD ziemlich kleingemacht.

Pforzheimer Zeitung: Man muss kein Prophet sein: Martin Schulz hilft gegen Angela Merkel nur noch ein Wunder.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Die CDU hat auf das Feuerwerk der Schulz-Gabriel-Ablösung erst verunsichert, dann mit ihren Kernkompetenzen reagiert. Das sind die Themen, die über Versäumnisse in der Migrationspolitik hinwegtäuschen können. Wenn die SPD dagegen allein auf die "soziale Frage" setzt, wird sie über ihre Stammklientel nicht hinauskommen (...). Sie landet dort, wo schon Sigmar Gabriel stand: in den Trümmern, die am Sonntag schon wieder zum Vorschein kamen.

Nürnberger Nachrichten: Der politische Wechsel dürfte diesem Bundesland gut tun. Was heißt das für den Bund, für die Wahl am 25. September? Gelaufen ist sie noch nicht. Aber die SPD hat ihre fast schon irrwitzige Aufholjagd in den Umfragen in kein einziges echtes Wahlergebnis ummünzen können. Und die Union? Sie wird sich nun, samt der einst widerspenstigen CSU, so um die vor kurzem noch höchst umstrittene, ja zum Auslaufmodell erklärte Kanzlerin scharen, wie sie dies stets tut, wenn es um das geht, was ihr wichtiger ist als Inhalte: um den greifbar nahen Erhalt der Macht.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Essen): Für die Parteien am Rand war gestern nicht viel zu holen, was der aktuellen Situation in NRW und im Bund geschuldet ist. Je größer die politischen Herausforderungen, je größer das Interesse an Politik, je höher die Wahlbeteiligung, desto schlechter schneiden Linke und AfD ab. Beide blieben hinter ihren Erwartungen zurück. Für Nordrhein-Westfalen ist das eine gute Nachricht.

Südwest Presse (Ulm): Schulz ist nicht verantwortlich für das schlechte Ergebnis im bevölkerungsreichsten Bundesland. Es klappt einfach zu wenig im Bindestrichland, als dass die Menschen wirklich mit der amtierenden Regierung aus SPD und Grünen hätten zufrieden sein können (...) Nun geht die SPD mit den gleichen Problemen in die Bundestagswahl wie auch schon 2009 und 2013 - ohne Machtoption, mit einem angeschlagenen Kandidaten und ohne Idee, für was die Sozialdemokratie eigentlich stehen soll. In den kommenden Monaten geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Die Gewinnerin dieser Landtagswahl heißt Angela Merkel.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen SPD kann bei jungen Wählern in NRW nicht punkten

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Das Ergebnis bedeutet für die Partei einen historischen Tiefststand. Trotz des Absturzes halten die Wähler Hannelore Kraft für sympathischer und für kompetenter als ihren Gegner. Die NRW-Wahl in Grafiken.   Von Katharina Brunner (Grafiken) und Karin Janker

Stern (Hamburg): Da brennt für die Kanzlerin in diesem Jahr nichts mehr an. Die Bundestagswahl ist gelaufen. Ihr Herausforderer, der "jetzige SPD-Kandidat", wie Merkel das dieser Tage mal mit feiner Ironie auf einer Wahlkampfveranstaltung ausgedrückt hat, ist seit diesem Sonntag mit ihr nicht mehr auf Augenhöhe. Kann sein, dass er demnächst ein Fernglas braucht, um die in der Bevölkerungsgunst enteilte Merkel-Union noch zu sehen.

Rhein-Zeitung (Koblenz): Nun rächt es sich, dass Schulz auf ein Regierungsamt verzichtet hat. Während Merkel Deutschlands Interessen in der Welt vertritt, läuft er über Marktplätze und klingelt an Haustüren.

Der neue Tag (Weiden): "Für Deutschland beim Eurovision Song Contest teilzunehmen ist ungefähr so, wie als Kanzlerkandidat für die SPD anzutreten." Witze wie diesen müssen die Genossen am Sonntagabend aushalten. Was für ein Debakel für Martin Schulz, der vor nicht einmal 100 Tagen als Heilsbringer gefeiert wurde. Was für eine Klatsche für Hannelore Kraft, die als Ministerpräsidentin bis vor wenigen Tagen noch unschlagbar schien. Die SPD steht gut vier Monate vor der Bundestagswahl vor einem Trümmerhaufen.