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Reaktionen auf NRW-Wahl:"Der Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen"

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen - SPD in Berlin

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (M) und sein Team

(Foto: dpa)

Pleite für die SPD, Jubel bei CDU und FDP, Schadenfreude bei AfD und Linkspartei: So äußern sich Bundes- und Landespolitiker zum Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen.

Armin Laschet, CDU-Spitzenkandidat in NRW, designierter Ministerpräsident: "Ich habe im Wahlkampf immer gesagt, wir reden nicht mit der AfD und nicht mit der Linken. Aber die Demokraten untereinander müssen in einem Sechs-Parteien-Parlament gesprächsfähig sein. Deshalb setze ich darauf, dass wir eine baldige, schnelle Regierungsbildung hinkriegen. Ich werde in den nächsten Tagen mit der SPD, mit der FDP, auch mit den Grünen sprechen. Dann wird sich zeigen, mit wem man denn die meiste Übereinstimmung hat.

Wir werden in Ruhe erörtern, in welcher Reihenfolge wir sprechen. Natürlich steht uns die FDP politisch in vielem am nächsten. Aber da weiß noch niemand, ob das überhaupt rechnerisch möglich ist. Deshalb gilt das Gesprächsangebot allen Demokraten."

Hannelore Kraft, SPD-Spitzenkandidatin, Noch-Ministerpräsidentin von NRW: "Die Entscheidungen, die getroffen worden sind, dafür übernehme ich persönlich die Verantwortung und deshalb werde ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Landesvorsitzende der SPD und als stellvertretende Bundesvorsitzende zurücktreten, damit die NRW-SPD eine Chance auf einen Neuanfang hat.

Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir hier mit Landespolitik in den Wahlkampf ziehen. Ich habe bewusst auch Martin Schulz gebeten, bundespolitische Themen zurückzustellen bis nach der NRW-Wahl. Dafür trage ich die Verantwortung."

Christian Lindner, FDP-Chef und Spitzenkandidat in NRW: "Klar war auch, dass diese Wahl natürlich der Beginn auch des Bundestagswahlkampfs ist. Das Signal jetzt ist, mit einem Comeback der FDP im Bund ist zu rechnen."

Sylvia Löhrmann, NRW-Spitzenkandidatin der Grünen: "Wir haben einen sehr schweren Abend. Diese Koalition ist abgewählt worden. Daran haben auch wir Grüne mit unserer Regierungsarbeit einen Anteil (...). Ich bin erkennbar nicht mehr Ministerin und ich will kein Amt in der Fraktion übernehmen und kein Amt in der Partei. Ich stehe dafür nicht zur Verfügung, dass wir in eine Jamaika-Koalition eintreten."

Marcus Pretzell, AFD-Spitzenkandidat und NRW-Landeschef: "Frau Kraft, das kann man, glaube ich, sagen, hat hier so unglaublich auf die Nase bekommen."

Christian Leye, NRW-Spitzenkandidat der Linken: "Der Schulz-Zug ist in Nordrhein-Westfalen entgleist."

Martin Schulz, SPD-Chef und Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl: "Das ist ein schwerer Tag für die SPD und für mich selbst. Ich stamme aus dem Land, in dem wir eine krachende Wahlniederlage erlitten haben (...). Wir sind eine kampferprobte Partei und bis zur Bundestagswahl ist es noch ein langer Weg.

Dass das hier kein Festbankett wird, das ist glaube ich jedem klar und für mich persönlich ist das ein schwerer Tag (...). Ich bin kein Zauberer (...). Ich muss einen langen Weg gehen und wir haben auf diesem langen Weg jetzt erstmal drei Landtagswahlen nicht gewinnen können. Dass das eine Delle ist, die wir heute wegstecken müssen, das ist völlig klar und eine Delle für mich persönlich, ganz klar."

Horst Seehofer, CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident: "Gratulation an Armin Laschet und Angela Merkel." Das CDU-Ergebnis sei eine "großartige Leistung", die Union sei "richtig glücklich" Stimmungen könnten sich aber "fast torpedoartig ändern. Deshalb ist das noch längst keine Vorentscheidung für die Bundestagswahl."

Cem Özdemir, Parteichef der Grünen und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl: "Erstmal haben wir letzte Woche in Schleswig-Holstein gefeiert, und da war es eine Landtagswahl, jetzt trauern wir über Nordrhein-Westfalen, da war es aber auch eine Landtagswahl. Die Themen der Grünen sind nicht abgewählt worden, sondern die Regierungspolitik ist abgewählt worden (...). Es gibt uns Grüne noch und wir sind immer noch ziemlich selbstbewusst."

Frauke Petry, Bundeschefin der AfD: "Wir wünschen uns für die Bundestagswahl mehr. Wir sind aber sehr zufrieden (...). Wir haben hier viel Zustimmung für einen realpolitischen Kurs. Wir sind auf einem richtigen Weg."

Bernd Riexinger, Chef der Linken: "Das Signal wäre in erster Linie mal an die SPD: Dass es nichts bringt, Frau Kraft hat es nichts gebracht, sich so extrem von den Linken abzugrenzen, und dass die SPD keine Glaubwürdigkeit hat, wenn sie meint, mit der FDP soziale Gerechtigkeit machen zu können."

Peter Tauber, CDU-Generalsekretär: "Die CDU hat die Herzkammer der SPD erobert. Das ist ein toller Tag für die CDU."

Katarina Barley, SPD-Generalsekretärin: "Das war eine Entscheidung über landespolitische Themen und der Bundestagswahlkampf beginnt erst jetzt (...). Das Potenzial (für einen Sieg im Bund) ist da, jetzt müssen wir es heben."

Ralf Stegner, SPD-Bundesvize: "Das ist eine wirklich herbe Niederlage, die tut uns ordentlich weh. Das ist, wenn das im Stammland der SPD passiert, ein Leberhaken für die Bundespartei. Der Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen, aber er steht noch und der Bundestagswahlkampf wird heißen: Angela Merkel oder Martin Schulz."

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