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Presseschau zum TV-Duell:"Wie der Frosch im Märchen"

Public-Viewing Fernsehduell Presse Kommentare

Im Auge des Betrachters: Nicht nur beim Public Viewing, auch in der deutschen Presse gehen die Meinungen zum TV-Duell auseinander.

(Foto: dpa)

Zwei Sieger, zwei Verlierer, ein Patt oder gar "ein schönes Paar"? Anderthalb Stunden Debatte zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück geben nicht nur den Zuschauern, sondern auch den Kommentatoren zu denken.

Die Presseschau zum TV-Duell.

Spiegel Online zeigt sich enttäuscht vom "freundlichen Geplauder" zwischen Merkel und Steinbrück und folgert: "Das war 0:0":

"Gepflegte Langeweile, Herunterbeten von Parteiprogrammen. Keine Leidenschaft, nirgends. Ein Null zu Null zwischen den Kontrahenten ist das Ergebnis. Das war's. Dieses TV-Duell war kein Beispiel für lebendige Demokratie, sondern eine Enttäuschung. (...) So blieben beide Kandidaten blass. Das passt zum bisherigen Verlauf dieses Wahlkampfs. Angela Merkel geht entspannt in die Wahl, sie weiß um ihren großen Sympathie-Vorsprung. Ihre CDU oder gar Programmatisches kommt kaum vor. Allein der Kanzlerbonus soll ihr den Sieg sichern. Peer Steinbrück hat dem nichts entgegenzusetzen. Seine Partei wird nun nicht mehr auf Sieg spielen, sondern auf Platz. Damit es womöglich für eine Beteiligung an einer großen Koalition reicht."

Nach Einschätzung der Welt passt das Pattergebnis des Duells zu den Wünschen eines großen Teils der Bevölkerung:

"Das Patt spiegelt die heimliche Wunschlage vieler Wähler - eine große Koalition. Steinbrück hat darauf nicht klar antworten wollen. Aber seine Wunschregierung Rot-Grün hat er nicht als Ideal angepriesen. Er hat sogar überhaupt nicht davon gesprochen. Er klang, bei aller bissigen Attacke, so wie der Frosch im Märchen vom Froschkönig zur Prinzessin: 'Deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine und deine goldene Krone, die mag ich nicht; aber wenn Du mich lieb haben willst und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein...' Das könnte er. Das fanden die Zuschauer auch."

Der Tagesspiegel kürt "zwei Sieger":

"Sie lullt uns ein? Er überfordert? Nein, können ihre Befürworter sagen, sie hat ihre Art, die Dinge zu sehen und zu sagen, 'Mutti' hat's im Griff und passt auf uns auf. Nein, können seine Befürworter sagen, Deutschland braucht die 'Peerspitze', einen, der die Dinge beschreibt, dass es auch mal weh tut, der was tut, damit es morgen noch so aussieht, wie es heute zu sein scheint. Und das Faszinierende nach diesen mehr als 90 Minuten ist: Irgendwie haben alle recht."

Die Berliner Zeitung sieht in Merkel und Steinbrück "ein schönes Paar für die Neuauflage der großen Koalition" und nennt das TV-Duell "schlechtes Theater":

"Wir müssen uns allerdings klarmachen, dass es am 22. September nicht darum geht zu beurteilen, wer die bessere Taktik hat, sich in 90-Sekunden-Statements zu profilieren, sondern darum, wer Deutschland erfolgreicher regieren wird. Hilft diese Debatte uns bei der Urteilsbildung? Vielleicht denen, die es schaffen, an dem Duell vorbei oder durch es hindurch, dahinterzukommen, was den Kandidaten wirklich wichtig ist, was sie also durchsetzen wollen und durchsetzen können. Aber man darf bezweifeln, dass es Menschen gibt, die das können. Diese Sendung ist dazu ja gerade nicht da."

Auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung war es nur "der angeblich entscheidende Abend":

"Persönliche Attacken gab es nicht. Sie waren nicht böse. Manches Mal gaben die beiden einander recht. Steinbrück hat das vorletzte Wort: Die Wähler allein entscheiden. 'Wir wollen gerechter sein.' Merkel hat das letzte Wort: 'Wir können das nur gemeinsam schaffen, erfolgreich zu sein.' Nach all den Bewertungen und Umfragen, welcher Duellant den anderen bezwungen habe, die im übrigen die beiden Generalsekretäre Andrea Nahles (SPD) und Hermann Gröhe (CDU) in einer Serie von Auftritten vor dem ganzen Ereignis vorweggenommen hatten, wird zum Wochenbeginn der Parlamentarismus wieder zu seinem Recht kommen."

Die Taz hat einen "Schlagabtausch der verkopften Art" beobachtet:

"Ganz zum Schluss je neunzig Sekunden der Monolog an die Wähler. In Steinbrücks Ansage offenbart sich sein ganzes Dilemma: Man habe 'Stillstand', die SPD könne 'die Sehnsucht nach Maß und Mitte' in der sozialen Marktwirtschaft stillen. Sorry, aber etwas anderes bietet diese Kanzlerin auch nicht an. Und genau das ist das Problem dieses glänzenden Rhetorikers und seiner Partei. Nur ohne die plautzige Art der Kanzlerin. 'Und jetzt wünsche ich Ihnen einen schönen Feierabend!' sagt sie ganz zuletzt. Ab ins Körbchen, liebe Wähler!"