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"Polizeiruf 110":Zwilling geteilt durch zwei

Polizeiruf 110: Dunkler Zwilling

Polizeiruf-Kommissar Anton Pöschel (Andreas Guenther) und Josie (Hanna Binke) in "Dunkler Zwilling".

(Foto: NDR/Christine Schroeder)
  • Ein Mörder, der die Schuhe seiner Opfer artig neben der Leiche abstellt - das ist die einzige Ordnung in diesem komplexen Polizeiruf.
  • Der Zuschauer weiß oft mehr als die Ermittler, erkennen Hinweise, die den Komissaren entgehen - aber können sich dennoch nie ganz sicher sein. Dadurch bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten.

Dieser Polizeiruf umkreist das Thema Zweisamkeit, nichts steht für sich allein, alles ergibt sich aus den Verhältnissen der Menschen zueinander. Eine Frau verrät ihren Mann. Eine Tochter verdächtigt ihren Vater, dann schämt sie sich für den Verdacht, dann keimt er neu. Der Kommissar hat das Vertrauen in seine Kollegin schon in einem früheren Fall verloren, nun belebt er es, und im Tiefenrauschen wächst die Loyalität zu echter Nähe. Zwei Opfer gibt es in diesem Fall, zwei Ermittler, sogar zwei Mordserien, eine alte, eine ganz frische. Man wird daran erinnert, dass das gleiche Auto nicht dasselbe Auto ist, und hier ist das nicht nur eine Erkenntnis für die Freunde grammatikalischer Grundkenntnisse. Dunkler Zwilling heißt diese Episode, und ganz nebenbei wird schließlich erzählt, dass die Zweisamkeit von Zwillingen einzigartig ist, dass sie aber auch verhängnisvoll sein kann. Wenn ein Zwilling bei der Geburt stirbt, muss der andere Zwilling damit umgehen können.

Zwei junge Frauen werden ermordet und geradezu übertötet, die Schuhe stellt der Täter jedes Mal ordentlich neben der Leiche ab, wenigstens im Verhältnis der Schuhe herrscht also Harmonie, sonst nicht. Weil es zwei Verdächtige gibt - und zwei Personen, die den Verdächtigen nahestehen - ergibt sich eine Spannung, die bis zum Ende trägt. Die Zuschauer wissen mehr als die Kommissare, sie erkennen Hinweise, die den Ermittlern entgehen, aber nichts ist eindeutig, alles könnte sich noch drehen.

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Im Stuttgarter "Tatort" ist man dem Okkultismus auf der Spur. "Hüter der Schwelle" transzendiert gekonnt aus dem Gegenwarts-Schwaben heraus in Halb- und Unterwelten. Und zu lernen gibt's auch noch was.   Von Cornelius Pollmer

Damir Lukačević (Regie und Buch) hat einen Whodunit komponiert, der als Kriminalstück funktioniert, die Philosophie über die Zweisamkeit schwebt als bereichernde leading idea über der Handlung. Ein ganz anderer Film als die manchmal auch anstrengenden Experimental-Tatorte, stattdessen eine eher klassisch angelegte Geschichte, bei der vieles stimmt. Der Plot, das Personal (Angela Winkler/Simon Schwarz/Emilia Nöth). Und den Ermittlern Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) hat Lukačević allerbeste Dialogstellen hingeschrieben, mit zwei Zutaten natürlich, Lakonie und Liebe. Sagt sie: "Du riechst so gut." Sagt er: "Schnaps und Schweiß." Ach, schön.

Polizeiruf 110: Dunkler Zwilling, Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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