Podcast:Ein scharfer Ritt

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(Foto: Illustration: Stefan Dimitrov)

Herausragend besetzt: Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" als kompakter Fantasy- und Abenteuer-Podcast.

Von Stefan Fischer

Regine Ahrem hat die Geschichte rasant beschleunigt - und das tut ihr gut. Was nicht gegen Richard Wagner und die Opulenz seines großen Bühnenwerks Der Ring des Nibelungen spricht. Doch bereits Loriot hatte die epische Geschichte einst verdichtet auf Der Ring an einem Abend, ohne sie dadurch ernstlich zu beschädigen - in eindeutig satirischer Absicht ist er letztlich sehr ernsthaft zum Kern der Konflikte vorgestoßen.

Der 16-teilige Hörspiel-Podcast Der Ring des Nibelungen, eine Produktion des RBB, stürzt sich nun vor allem auf die Fantasy- und Abenteuer-Aspekte der Geschichte - und erzählt sie tempo- und wendungsreich in knapp fünf Stunden. Ebenfalls an einem - langen - Abend also. Wagner benötigt für diese göttliche Tragödie mehr als drei Mal so viel Zeit.

Seine Musik ist auch hier von Belang. Felix Raffel verwendet immer wieder in kleinen Ausschnitten originale Kompositionen Richard Wagners, setzt jedoch vor allem eigene Musik ein, die der Übersetzung des Stoffes in ein zeitgemäßes akustisches Abenteuer dienlich ist. Mehr Kino als Oper erklingt da - dank Kunstkopf-Technik in einem opulenten Raumklang. Der Verweis des RBB auf Tolkiens Der Herr der Ringe ist naheliegend aus PR-Perspektive - aber auch tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Hier wie dort gibt es einen Ring, der seinen Träger manipuliert. Gibt es Figuren, über die andere entscheiden. Geht es um Treue und Verrat. Wo Wagner in einer Kunstsprache erzählt, sind Tolkien und alle, die seine Fantasy-Geschichten adaptiert haben, jedoch viel direkter.

Ein Wettbewerb in Niedertracht und Skrupellosigkeit

Einen solchen Ton schlagen nun auch Regine Ahrem und ihr Ko-Regisseur Peter Avar an. Ahrem hat Der Ring des Nibelungen in ein zeitgemäßes Hochdeutsch übersetzt, die Figuren verstecken sich nicht hinter Metaphern und Wortgeklingel. Hierdurch werden sie nahbar - ob es sich nun um Götter oder Edle handelt, um Zwerge oder Riesen. Es sind eben vor allem Schurken.

Beinahe jede Szene des Hörspiels schafft Platz für darstellerische Kleinode. Dieser Ring des Nibelungen stellt die Schauspielerinnen und Schauspieler ins Zentrum, vertraut vor allem ihnen diese Geschichte an. Bernhard Schütz spielt einen verdrießlichen, mitunter gar weinerlichen Wotan, Martina Gedeck dessen Frau Fricka, immer wieder herrlich entsetzt von ihrem Mann. Lars Rudolph wiederum suhlt sich in der - je nachdem, wie es gerade um ihn steht - Larmoyanz respektive übergeschnappten Großmannssucht Alberichs.

Podcast: Martina Gedeck übernimmt die Rolle der Fricka. Im Hintergrund sieht man den "Kunstkopf": Eine dem menschlichen Kopf nachgebildete Aufnahmeeinrichtung mit zwei Ohrmuscheln, hinter denen sich Mikrofone befinden.

Martina Gedeck übernimmt die Rolle der Fricka. Im Hintergrund sieht man den "Kunstkopf": Eine dem menschlichen Kopf nachgebildete Aufnahmeeinrichtung mit zwei Ohrmuscheln, hinter denen sich Mikrofone befinden.

(Foto: Thomas Ernst/rbb)

Bibiana Beglau als Brünhilde, Katrin Angerer als Freia, Dimitrij Schaad als Siegfried und Regina Lemnitz als Erda: Der Podcast ist nicht nur herausragend besetzt, Regine Ahrem und Peter Avar wissen das Potenzial dieses Casts auch zu nutzen. So entsteht eine fantastische Parabel über Gier und Machtwahn, über die fatalen Konsequenzen von Intrigen, über Skrupellosigkeit und Niedertracht. Dem entgegen stehen Momente der Verbindlichkeit - und die Liebe.

Ein klein wenig Pathos steckt auch in dieser Inszenierung, allzu nüchtern lässt sich von diesem Machtkampf auf mehreren Ebenen nun einmal nicht erzählen. Vor allem aber laufen in diesem Ring des RBB zahlreiche spannende Psychospielchen ab.

Der Ring des Nibelungen, ARD-Audiothek.

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