Podcast "Case 63":Hiobsbotschaften aus der Zukunft

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(Foto: Stefan Dimitrov (Illustration))

Ein Zeitreisender bei der Therapeutin: Skeptisch umkreisen sich Julianne Moore und Oscar Isaac im Science-Fiction-Podcast "Case 63". Und können sich einander nicht entziehen.

Von Stefan Fischer

"Denk an die Zukunft", mahnt Peter Roiter ein ums andere Mal. Und er muss es wissen. Denn er hat bis vor Kurzem in der Zukunft gelebt. Von dort, aus dem Jahr 2062, bringt er keine guten Nachrichten mit in die Gegenwart der Jahre 2022 (Staffel 1) und 2023 (Staffel 2) dieses englischsprachigen Science-Fiction-Podcasts von Julio Rojas für die Spotify-Marke Gimlet, basierend auf dessen chilenischem Original Caso 63.

Aber stimmt das überhaupt, was Roiter erzählt? Dass er ein Zeitreisender sei? Und dass die Corona-Pandemie, unter der die Menschheit geächzt hat, im Vergleich zu dem, was ab den 2030ern auf der Erde passieren werde, nur so etwas wie eine leichte Heiserkeit sei?

Science Fiction, das ist speziell im Kino oft gleichbedeutend mit viel Action und optischer Opulenz. Case 63 dagegen ist ein Kammerspiel, über weite Strecken das Gespräch und der Streit zwischen der Psychotherapeutin Eliza Beatrix Knight und ihrem Patienten Peter Roiter, der für sie anfangs bloß eine Nummer ist, der "Case 63".

Roiter ist kein klassischer Zeitreisender, er wechselt ohne Möglichkeit auf Rückkehr

Julianne Moore und Oscar Isaac spielen dieses Paar, das aneinander verzweifelt. Sie, weil sie nicht glauben kann, was er ihr erzählt, und ihn gleichzeitig trotzdem nicht ohne Weiteres pathologisieren kann. Er, weil er auf ihr Vertrauen in ihn angewiesen ist, um diverse Entwicklungen für die Menschheit in bessere Bahnen zu lenken.

Zwei Stimmen, die einander attackieren, von denen jede die andere dominieren möchte - und die doch miteinander harmonieren. Moore und Isaac spielen die Fassungslosigkeit und das Fremdeln ihrer Figuren und deren gleichzeitige Faszination füreinander scheinbar beiläufig und eben doch äußerst präzise.

Es stellt sich heraus, so weit muss man vorgreifen, dass Roiter, wenn man ihm denn Glauben schenken möchte, nicht im klassischen Sinn zu Zeitreisen in der Lage ist, also nicht fähig, mal in dieses und dann in jenes Jahr springen zu können. Vielmehr kann er - und nicht nur er - in unterschiedlichen Zeitachsen existieren. Jedoch immer nur in einer, und, nach einem Wechsel in eine neue, ohne die Möglichkeit einer Rückkehr in die alte.

Wie bei einer Zwiebel schält man als Hörer Schicht um Schicht weg, in der Hoffnung, anders als bei dem Gemüse auf einen Kern zu stoßen, in dem ein Ausweg verborgen ist aus der existenziellen Bedrohung der Menschheit. Worauf man zunächst einmal stößt, das ist der eigentliche Grund, weshalb der Mann sich vierzig Jahre zurück in die Vergangenheit begeben hat. Dann erkennt man mit großer Überraschung auch, was ihm wirklich lieb und teuer ist.

Case 63, Spotify.

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