Plasberg zur Wahl:"Politik ist keine Casting-Show"

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Fast 13 Prozent für die AfD, weil sie zu oft in Talkshows eingeladen wurden? Katharina Barley scheint das so zu sehen. "Politik ist keine Casting-Show", empört sie sich. Und meint wohl, dass in Talkshows auch Themen gesetzt werden: Oft gehe es um Migrations- und Flüchtlingspolitik. Und häufig würde die Gäste eingeladen, die am meisten Krawall versprechen. Dafür seien die Öffentlich-Rechtlichen nicht da, sagt Barley. Bär ergänzt: "Quote kann nicht die Ausrede sein."

Vielleicht ist das alles aber auch ein bisschen einfach. SPD-Frau Barley etwa kann mit der Mediendebatte elegant von den Problemen der eigenen Partei ablenken. Immerhin ist die SPD gerade auf knapp 20 Prozent geschrumpft. Auch die CDU hat bei der Wahl viele Stimmen verloren. Jetzt gibt es - wie schön - wieder ein gemeinsames Feindbild: die Medien.

Werden "die Medien" benutzt, um vom eigenen Versagen abzulenken?

Wen genau die vier damit eigentlich meinen, wird nicht immer klar: Ist es Plasberg persönlich? Die Öffentlich-Rechtlichen? Oder gleich alle Medienhäuser? Klar ist nur, dass in dieser Sendung der universelle Sündenbock "die Medien" heißt. Sie müssen herhalten für Wahlniederlagen, Stimmenverluste und sonstiges politisches Ungemach. Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der als Gast in der Sendung sitzt, sieht deshalb die Gefahr einer "Instrumentalisierung der Medien", mit der man vom eigenen Unvermögen ablenken möchte.

Der Grüne Habeck nimmt zumindest zeitweise die Rolle ein, die die Redaktion ihm wohl zugedacht hatte: Zu erklären, ob eine Koalition aus Union, FDP und Grünen im Bund funktionieren konnte. Er schreit es beinahe: "Jamaika! Jamaika!" Denn seit einigen Monaten steckt Habeck in seiner Heimat Schleswig-Holstein selbst in so einem Bündnis. Durchaus erfolgreich sei das. Ohnehin scheint Habeck der geborene Jamaikaner zu sein. Er lässt Dorothee Bär von der CSU stets ausreden, pflichtet ihr wenn nötig auch bei. Ein erstaunlicher Kuschelkurs, den er auch gegenüber FDP-Mann Lambsdorff beibehält.

Wenn aber in "den Medien" doch mal etwas Richtiges steht, ist es auch nicht recht. Plasberg zitiert aus einem Artikel des Welt-Chefredakteurs Ulf Poschardt. Der merkt an, nur weil in Berlin-Prenzlauer Berg die Lebenswelten von FDP- und Grünen-Anhängern so schön zusammenpassten, ergäbe das noch keine Jamaika-Koalition. Das ist jetzt kein besonders origineller Gedanke, aber eben auch kaum von der Hand zu weisen. Habeck wischt den Einwurf als eine der "Poschardt'schen Leichtigkeitsfloskeln" weg, sagt aber selbst kaum etwas anderes.

Es entbehrt am Ende nicht einer gewissen Ironie, dass die vier Politiker von "den Medien" mehr inhaltliche Auseinandersetzung verlangen, an diesem Abend aber selbst kaum in der Lage sind, auch nur ein Thema näher zu besprechen, das ihre Wähler interessieren könnte.

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