Paradise Papers Kanzlei Appleby klagt gegen Guardian und BBC

Die Paradise Papers enthüllten Offshore-Geschäfte der Kanzlei Appleby. Jetzt geht sie gegen Medien vor, die über das Daten-Leak berichteten.

(Foto: Illustration: Bene Rohlmann)

Die Offshore-Steuerkanzlei will die Herausgabe der Dokumente erklagen. Eine schwere Bedrohung von Presse und Informanten.

Von Bastian Obermayer

Die Empörung war groß, als Anfang November zahlreiche Medien über legale und illegale Offshore-Geschäfte berichteten - etwa wie Apple oder Nike Milliarden an Steuern vermeiden, oder auch über die fragwürdigen Geldanlagen Prominenter, von der englischen Queen bis hin zu Rockmusiker Bono. 96 Verlage und Sender aus 67 Ländern hatten sich, koordiniert vom International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ), an der Recherche beteiligt, darunter auch Guardian, BBC, New York Times oder Le Monde. Die Paradise Papers erwiesen sich schon nach wenigen Wochen als folgenreich, es laufen Ermittlungen in etlichen Ländern, EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici forderte Gesetzesänderungen, damit "Vampire" nicht weiter Steuern vermeiden könnten.

Die Bedrohung könnte sich nicht nur gegen die Medien richten

Der Großteil der veröffentlichten Geschichten hatte seinen Ursprung in den internen Kundendaten der internationalen Steuerkanzlei Appleby, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt worden waren. Die Kanzlei geht nun juristisch gegen den Guardian und die BBC vor.

Die Steuerkanzlei Appleby steht im Zentrum der Paradise Papers.

(Foto: Oli Scarff/AFP)

Appleby bestreitet, dass es öffentliches Interesse an einer Berichterstattung gebe und klagt nun gegen beide britische Medien auf Herausgabe der Dokumente sowie auf Schadenersatz. Die Kanzlei erklärte, sie sei "verpflichtet, juristische Schritte zu ergreifen", um ihrer Verantwortung für ihre Kunden gerecht zu werden. Diese seien Opfer "einer kriminellen Handlung"; man müsse herausfinden, "welche ihrer - und unserer - Dokumente entwendet wurden".

Dass Appleby sich als betroffene Firma gegen unliebsame Berichterstattung wehrt, ist üblich und Routine. Der Versuch aber, gerichtlich die Herausgabe der Paradise Papers zu erwirken, stellt eine Bedrohung dar, die sich möglicherweise nicht nur gegen die Medienhäuser richtet, sondern auch gegen die Quelle der Paradise Papers. Es ist kaum auszuschließen, dass sich in einem dieser Dokumente eine Spur zur Quelle oder den Quellen finden lässt, was diese in Gefahr bringen könnte. Unter anderem aus diesen Gründen gibt die SZ derartige Dokumente nie an Dritte, etwa Staatsanwaltschaften oder die Polizei.

Ein Sprecher der BBC erklärte, "die BBC werde ihre Rolle und ihr Verhalten im Paradise-Papers-Projekt eindringlich verteidigen". Der Wahrheitsgehalt der veröffentlichten Artikel werde in der Klage nicht bestritten, betonte ein Sprecher des Guardian, stattdessen sei die Klage "ein Versuch, unseren verantwortlichen und dem öffentlichen Interesse verpflichteten Journalismus zu untergraben". BBC und Guardian sind die einzigen Medien der internationalen Kooperation, gegen die Appleby bislang vorgeht.

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