Doku in Österreich Kniefall vor der FPÖ?

Der Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz (links), neben FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei der Vorpremiere der Dokumentation über Franz Dinghofer vor wenigen Wochen.

(Foto: imago/Viennareport)

Franz Dinghofer sei ein "vergessener Republikgründer", "Patriot" und "Demokrat" gewesen. So beschönigt die FPÖ in einem ORF-Porträt einen Antisemiten und Nazi. Kritiker werfen dem Sender Geschichtsverfälschung vor.

Von Peter Münch, Wien

Für das geschichtsbewusste Österreich sendet ORF III in loser Folge eine Doku-Reihe unter dem Titel "Baumeister der Republik". Vorgestellt werden hier die wichtigsten Politiker der 1918 ausgerufenen Ersten und der seit 1945 bestehenden Zweiten Republik. Bruno Kreisky war dabei unter dem Titel "Ein Leben für die Sozialdemokratie", oder auch Kurt Waldheim ("Der einsame Präsident"), der dem Land eine Debatte über die NS-Vergangenheit beschert hatte. Als herausragender Gestalter aus den Zwischenkriegsjahren wurde im Februar schließlich ein Mann namens Franz Dinghofer porträtiert: "Der vergessene Republikgründer". Vergessen hat man dabei allerdings offenbar auch, dass Dinghofer nicht nur ein schlimmer Antisemit, sondern auch ein Nazi war. Und das wirft nun die Frage auf, welchen Einfluss die Regierungspartei FPÖ auf das Programm des öffentlich-rechtlichen ORF ausübt.

Aufgeworfen wurde diese Frage am Donnerstag bei einer Sitzung des ORF-Publikumsrats von Willi Mernyi. Er ist Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, das die Erinnerung an die Nazi-Gräuel wachhalten will. Und ihm war in der Sendung über Dinghofer einiges übel aufgestoßen.

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Denn wirklich vergessen war der 1956 verstorbene Deutschnationale trotz seiner eher unauffälligen politischen Karriere allein deshalb nicht, weil ihn die FPÖ stets in Ehren gehalten hat. Parteichef Heinz-Christian Strache kommt folglich auch ausgiebig zu Wort in dieser Doku, in der Dinghofer als "Patriot" und "Demokrat" belobigt wird. Dessen aktenkundiger Antisemitismus wird als Zeitgeist verharmlost, zudem wird er als Opfer der Nazizeit dargestellt: enteignet, zwangspensioniert und "in der inneren Emigration".

Als Ergebnis einer kurzen Recherche beim Bundesarchiv in Berlin präsentierte Mernyi nun allerdings Dinghofers NSDAP-Mitgliedskarte, Parteigenosse war er seit 1. Juli 1940 unter der PG-Nummer 8450902. "Soweit wir wissen, hat Franz Dinghofer kein Verbrechen begangen. Aber er hat ein Verbrecherregime unterstützt", sagt Mernyi. Dem ORF wirft er "Geschichtsverfälschung" vor - und vermutet dahinter ein politisches Spiel.

In dieses Bild passt auch, dass einem Bericht der Salzburger Nachrichten zufolge die Ausstrahlung einer Doku über Burschenschafter bereits mehrmals verschoben worden sein soll. Auf Anfrage hat der ORF solche Vorwürfe zurückgewiesen. Politischen Einfluss habe es bei der Dinghofer-Doku "selbstverständlich nicht" gegeben, und auch der Burschenschafter-Beitrag werde "selbstverständlich gesendet". Nur die Festlegung des Sendeplatzes sei noch nicht abgeschlossen.

Für Mernyi aber liegt zumindest bei der Dinghofer-Doku der Verdacht eines "Kniefalls" vor der FPÖ nahe. Einträchtig hatten Strache und der früher als SPÖ-nah geltende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der bei der anstehenden Neuorganisation des Senders um seine Zukunft kämpft, am 18. Februar auch gemeinsam zu einer Vorpremiere eingeladen. Strache weiß ansonsten wenig Gutes zum ORF und dessen "Zwangsgebühren" zu sagen. Hier aber pries er den Sender, der mit diesem Beitrag "im wahrsten Sinne des Worts dem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht" werde.