Öffentlich-rechtliches Fernsehen Was ARD und ZDF mit den gesparten Olympia-Ressourcen machen müssen

Ein Kameramann bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Rio.

(Foto: dpa)

Wenn die Sender beweisen, dass sie auch ohne Olympia sehenswert sind, werden sich die Lizenzhändler umgucken.

Kommentar von Hans Hoff

Viele tun nun so, als seien sie todtraurig, weil die Verhandlungen zwischen dem US-Medienkonzern Discovery und den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland gescheitert sind und weil die Olympischen Spiele demnächst nur noch bei Eurosport zu sehen sein werden. Dabei kann das durchaus als positives Signal verstanden werden, als unmissverständliche Botschaft an jene skrupellosen Verwerter, die aus dem im Fernsehen präsentierten Sport über die Jahre eine Unterabteilung der Unterhaltungsindustrie gemacht haben. Die bei den Erlösen an unendliches Wachstum glaubten. Damit ist nun erst einmal Schluss.

Das dem olympischen Gedanken gewidmete Motto "schneller, höher, weiter" galt zuletzt doch ohnehin nur noch für die Rasanz, mit der sich die Lizenzgebühren in atemberaubende Höhen schraubten und Signale fehlten, dass diese Entwicklung irgendwann mal eine umgekehrte Richtung nehmen könnte. Dazu kamen die vielen Meldungen vom Doping, die sich immer schwerer als Einzelfälle abtun ließen.

Olympia Kein Olympia bei ARD und ZDF - Eurosport überträgt exklusiv
Olympische Spiele im Fernsehen

Kein Olympia bei ARD und ZDF - Eurosport überträgt exklusiv

Die Verhandlungen sind geplatzt, die öffentlich-rechtlichen Sender gehen leer aus. Wer die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 live sehen will, muss Eurosport einschalten.

Für ARD und ZDF sieht das Scheitern der Verhandlungen auf den ersten Blick natürlich aus wie eine Niederlage, weil es eine Zäsur bedeutet: den Abschied von einem Automatismus. Man hat das alles immer so gemacht. Jetzt ist dieses immer vorbei. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen nun von der Seite zusehen, müssen sich überlegen, was sie mit den freiwerdenden Geldern tun, wie sie jene sinnvoll beschäftigen, die sie für Großereignisse dieser Art normalerweise vorhalten.

ARD und ZDF können auch weiter über Probleme hinter den Kulissen berichten

Wirklich traurig ist das Aus letztlich nur für wenige Sportenthusiasten bei ARD und ZDF, die ihren Olympia-Einsätzen entgegenfieberten, die sich ihren Enthusiasmus auch von Doping- und Korruptionsmeldungen nicht kleinmachen ließen, die vielleicht aber auch schon Schmerzen im Gesicht verspürten, weil sie immer häufiger ein Auge zudrücken mussten, wenn wieder mal ein Skandal offenbar wurde.

Natürlich werden nun jene kommen, die behaupten, dass ARD und ZDF ja auch sehr viel über die Hintergründe berichtet hätten, dass es Männer wie der wackere Hajo Seppelt waren, die den Doping-Skandalen auf die Spur kamen. Das ist richtig. Richtig ist aber auch, dass ARD und ZDF weiter über Probleme hinter den Kulissen berichten können, berichten müssen. Das ist der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Und vielleicht gelingt die Erfüllung dieses Auftrags noch ein Stückchen besser, wenn man nicht abgelenkt ist, weil man nebenbei noch die Übertragung stemmen muss.

Wer nun fürchtet, dass die Übertragungen bei Eurosport nicht von der gleichen Qualität sein werden wie das, was bisher ARD und ZDF boten, dem möchte man einerseits recht geben und ihn andererseits beruhigen. Natürlich tut sich ein privater Sender schwer, allzu kritisch mit dem umzugehen, was er teuer eingekauft hat. Man sieht das jedes Jahr bei den Übertragungen der Tour de France, wo sich die Eurosport-Kommentatoren das Wörtchen Doping förmlich unter Schmerzen von den Lippen pulen müssen. Wo zumindest im Subtext stets eine gewisse "Jetzt muss aber auch mal gut sein"-Stimmung herrscht. Andererseits ist auch nicht alles Gold, was bei ARD und ZDF glänzen soll. Viel zu viel der Sendezeit wurde bestritten mit dusseligen "Wie fühlt sich das an?"-Fragen.