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"News of the World"-Skandal erreicht "Times":Hacker aus gutem Hause

Der Abhörskandal um Medienmogul Rupert Murdoch erreicht eine neue Eskalationsstufe: Nachdem bisher nur Boulevardblätter betroffen waren, ermittelt die Polizei im Zusammenhang mit gehackten E-Mails nun auch bei der Londoner "Times". Damit ist die Affäre beim seriösen Teil von Murdochs britischer Mediengruppe News International angekommen.

Katharina Riehl

Als am vergangenen Wochenende vier Mitarbeiter der englischen Boulevardzeitung Sun festgenommen wurden, wurde das als neue Eskalationsstufe in einem ohnehin schon unvergleichlichen Skandal verstanden. Während das Land noch immer damit beschäftigt ist, die Ausmaße der Abhöraktionen bei Rupert Murdochs 2011 eingestelltem Blatt News of the World aufzuarbeiten und das Medienunternehmen die Opfer mit hohen Summen abfindet, intensivieren die Ermittler jetzt auch ihre Untersuchungen bei der Sun.

Illegale Recherchemethoden bei Murdochs Medien

Mit der "The Times" gerät im Skandal um illegale Recherchemethoden auch ein Qualitätsblatt des Murdoch-Konzerns in Kritik. Rupert Murdoch 2009 in Davos.

(Foto: dpa)

An diesem Donnerstag nun verbreitete der Guardian eine Meldung, die für noch etwas mehr Aufmerksamkeit sorgen dürfte: Die Polizei ermittelt in Zusammenhang mit gehackten E-Mails - bei der Londoner Times. Damit ist der Skandal, der Rupert Murdoch in Großbritannien viel Vertrauen und inzwischen auch sehr viel Geld gekostet hat, beim seriösen Teil von Murdochs englischer Mediengruppe News International angekommen.

Der britische Abgeordnete Tom Watson, der schon zuvor als einer der schärfsten Kritiker Murdochs im parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgetreten war, hatte Ende Januar Scotland Yard schriftlich aufgefordert, bei dem Murdoch-Blatt zu ermitteln. Per Twitter ließ Watson am Donnerstag wissen, die Polizei habe ihm nun bestätigt, dem Fall nachzugehen. Ein entsprechendes Schreiben der Polizei veröffentlichte Watson auf seiner Website. Scotland Yard selbst bestätigte offiziell nur, mit Watson in Kontakt zu stehen.

Journalist sei vor Veröffentlichung gemaßregelt worden

Ebenfalls auf der Seite zu finden ist jener Brief, den Watson an Scotland Yard geschrieben hatte. Dem zufolge geht es bei den Ermittlungen um einen Fall aus dem Jahr 2009. Einem Times-Journalisten wurde damals vorgeworfen, sich illegal Informationen über einen Polizei-Blogger verschafft zu haben. Die Verantwortlichen, schreibt Watson, hätten bestritten, dass illegale Methoden angewandt wurden; das Gericht habe das bestätigt.

Watson beruft sich nun auf eine Aussage des Murdoch-Managers Thomas Mockridge. Dieser habe in Zusammenhang mit den von Richter Leveson geleiteten Untersuchungen schriftlich eingestanden, dass ein Times-Journalist, der eine E-Mail gehackt hatte, mit seinen Vorgesetzten darüber gesprochen habe, bevor er den Artikel veröffentlichte. Er habe behauptet, im öffentlichen Interesse zu handeln, sei aber gemaßregelt worden.

Demnach müsste man bei dem Blatt von Gesetzesbrüchen gewusst haben. Times-Herausgeber James Harding hat sich bereits geäußert. An den Leveson-Ausschuss schrieb er im Januar, man habe dem Autor damals illegale Handlungen untersagt, der Reporter habe die Zeitung inzwischen verlassen. Harding aber, das wurde am Donnerstag bekannt, muss ein weiteres Mal vor den Untersuchungsausschuss. Für ihn hat die Affäre wohl gerade erst begonnen.

© SZ vom 03.02.2012/rela/pak
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