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Neue "Charlie Hebdo"-Ausgabe:Alles andere als diese Titelseite "wäre verwunderlich gewesen"

Dass in der Ausgabe "der Überlebenden" nun erneut eine Mohammed-Karikatur abgedruckt wird, entspricht dem Selbstverständnis der Macher, die sich darin durch den Anschlag nicht erschüttern lassen wollen. "Es wäre verwunderlich gewesen, wenn es keine gegeben hätte", sagte Charlie Hebdo-Anwalt Richard Malka. "In den vergangenen 22 Jahren gab es bei Charlie Hebdo keine Ausgabe ohne Karikaturen vom Papst, von Jesus, von Priestern, Rabbinern, Imamen oder von Mohammed."

Die Mohammed-Zeichnung auf der Titelseite ist die einzige Karikatur des Propheten, dafür macht sich die Zeitung ausgiebig über religiöse Fanatiker lustig.

Auf der letzten Seite ist eine Karikatur von Luz, der auch die Titelseite gestaltete: Islamistische Terroristen kommen im Paradies an, einer fragt enttäuscht: "Wo sind die 70 Jungfrauen?" Die Antwort: "Beim Team von Charlie, du Trottel."

Auf einer Doppelseite ist zudem eine Karikatur des getöteten Zeichners Cabu abgedruckt, in der die Syrien-Reise von Dschihadisten mit dem europäischen Studienaustauschprogramm Erasmus verglichen wird. Überhaupt werden zahlreiche ältere Karikaturen und Texte getöteter Mitarbeiter abgedruckt - die Zeitung ehrt so ihre Opfer der Anschlagsserie.

Libération-Publikationsdirektor Laurent Joffrin sagte, "Charlie Hebdo" habe mit der Ausgabe seine "zarte Seite gezeigt".

Islamgelehrte: "Rassistischer Akt"

Ägyptische Islamgelehrte kritisierten die kommende Ausgabe des Magazins unterdessen scharf. Die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta ("Haus der Rechtsprechung") in Kairo wertete die Veröffentlichung neuer Karikaturen des Propheten Mohammed als "rassistischen Akt".

Diese "ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit" werde eine neue Welle des Hasses in der französischen und in westlichen Gesellschaften auslösen. Das sei nicht förderlich für das Zusammenleben und den Dialog, um den Muslime sich bemühten.

Dar al-Ifta gilt als eine der höchsten religiösen Einrichtungen Ägyptens. Ihre Rechtsgutachten (Fatwas) gelten weltweit als Leitfäden für sunnitische Muslime.