NDR in Schleswig-Holstein:Personelle Konsequenzen beim NDR

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NDR in Schleswig-Holstein: Landesfunkhaus in Kiel: Julia Stein und Norbert Lorentzen werden versetzt, Funkhausdirektor Thormählen kehrt zurück.

Landesfunkhaus in Kiel: Julia Stein und Norbert Lorentzen werden versetzt, Funkhausdirektor Thormählen kehrt zurück.

(Foto: Petra Nowack/IMAGO/penofoto)

Nach dem internen Prüfbericht werden zwei Führungskräfte aus dem Landesfunkhaus Kiel versetzt.

Der NDR verkündet nach den Vorwürfen im Landesfunkhaus in Kiel personelle Konsequenzen. Nachdem am Dienstag eine interne Untersuchung des NDR vorgestellt wurde, die als wesentliches Problem ein "gestörtes Redaktionsklima" vor allem im Fernsehbereich identifizierte, teilt der Landesfunkhausdirektor Volker Thormählen mit: "Ich danke Norbert Lorentzen und Julia Stein für ihre hervorragende journalistische Arbeit. Wegen des verloren gegangenen Vertrauens habe ich beiden heute früh mitgeteilt, dass ich nicht weiter mit ihnen zusammenarbeiten werde."

Thormählen kümmere sich mit der Geschäftsleitung darum, dass beide neue Aufgaben außerhalb des Landesfunkhauses Schleswig-Holstein erhalten. Lorentzen, Chefredakteur und zuvor Fernseh-Chef im Funkhaus, und Stein, die Leiterin der Politikredaktion war, hatten nach Vorwürfen der politischen Einflussnahme bereits vor einigen Wochen darum gebeten, bis auf Weiteres von ihren Aufgaben freigestellt zu werden. Kurz darauf begab sich auch der Landesfunkhausdirektor Thormählen in unbezahlten Urlaub. Nun habe der NDR-Intendant Joachim Knuth Volker Thormählen darum gebeten, seine Arbeit als Direktor wieder aufzunehmen, so der NDR. Thormählen solle skizzieren, wie er die identifizierten Probleme in Teilbereichen des Landesfunkhauses in den Griff bekommen will.

Es habe eine Kultur geherrscht, die nicht mit seinen Prinzipien vereinbar ist, so Thormählen

Die gestern vorgelegte interne Prüfung, die Intendant Knuth bei zwei leitenden NDR-Redakteuren in Auftrag gab, konnte keine politische Einflussnahme im Landesfunkhaus feststellen. Allerdings kam sie zum Schluss, dass es im Fernsehbereich des Landesfunkhauses große Probleme in der Zusammenarbeit gebe, die auch Auswirkungen auf die journalistische Arbeit hatten.

"Heute weiß ich - es hat in Teilen eine Kultur geherrscht, die nicht akzeptabel ist, die mit meinen Prinzipien nicht vereinbar ist und gegen die ich hätte früher vorgehen müssen", so Volker Thormählen. "Unsere Berufe sind fordernd, sie bringen ohnehin genügend Druck mit sich - Zeitdruck in der Aktualität, vor allem aber Qualitätsdruck. Mehr Druck oder gar Angst darf nicht sein."

Ein "struktureller und kultureller Neuanfang" im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein soll laut NDR unverzüglich beginnen, bereits ab morgen würden ersten Gesprächsrunden starten. Der Prüfbericht des NDR in Kiel ist unabhängig von einer noch ausstehenden externen Untersuchung, die der Landesrundfunkrat Schleswig-Holstein beauftragt hat.

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