bedeckt München

Medienkolumne "Abspann" zum Fußball-Länderspiel:Corona? Welches Corona?

Matthias Ginter, Timo Werner 3:1, Robin Koch, Leon Goretzka / Freude / Emotion / jubelnd / Jubel nach 3:1 / / Fußball F

Und es hat wieder Bumm gemacht: Nationalspieler bejubeln das 3:1 im Geisterspiel gegen die Ukraine.

(Foto: O. Behrendt via www.imago-images.de/imago images/Contrast)

Wie es die ARD fertigbrachte, sich in ihrer Hauptnachrichtensendung "Tagesschau" weit dümmer zu stellen, als sie ist.

Von Holger Gertz

"In welcher Welt wollen wir leben?", fragte am Sonntag die 20-Uhr- Tagesschau und leitete damit die ARD-Themenwoche ein, in der genau darüber nachgedacht wird: Ja, in welcher Welt wollen wir denn leben? Danach kam die Zusammenfassung vom Länderspiel Deutschland gegen die Ukraine, aus der sich ablesen ließ, dass wir offenbar in einer Welt leben sollen, in der der Fußball, bitte sehr, so ungestört rollen möge wie immer. Tatsächlich berichtete der ARD-Mann Sven Kaulbars, stimmlich ist er der Elmar Gunsch des neuen Jahrtausends, von diesem Nations-League-Spiel in Leipzig, als wäre es ein normales Match in einem Wettbewerb, den niemand braucht. Kaulbars lobte das Auge von Leon Goretzka und bebrummte anerkennend den ganzen Goretzka ("kraftvoll, dynamisch, energisch"). Außerdem würdigte er noch die Treffsicherheit von Leroy Sané.

So sausen sie durch ganz Europa, die Kicker. Und das in Zeiten, in denen sonst fast alles wieder dichtmacht.

Sein Fazit raunte er schon ganz zu Beginn: "Vieles war gar nicht so schlecht." Und Kaulbars brachte dann das Kunststück fertig, kein einziges Wort zu verlieren über die unter Gesichtspunkten der grassierenden Corona-Pandemie irren Begleitumstände: Fünf Positivfälle hatte es in der ukrainischen Delegation gegeben. Bei Befragungen des Gesundheitsamtes gaben die Infizierten an, keinen Face-to-Face-Kontakt mit den Spielgefährten gehabt zu haben. Also gab es auch keine Quarantäne für die Truppe, stattdessen erfolgten Schnelltests, das Spiel konnte dann stattfinden. So sausen sie durch ganz Europa, die Kicker. Und das in Zeiten, in denen sonst fast alles dichtmacht.

Dass Profifußball ein privilegierter Unterhaltungsbetrieb ist, das ist während dieser Pandemie noch klarer geworden. Ist logisch, dass die Verbände und das Fernsehen die Spiele wollen: Es geht schließlich um Millionen. All das beweist aber, dass die Begegnung Deutschland - Ukraine eben ganz bestimmt nicht das normale Spiel war, als das es abgehandelt wurde in der Tagesschau, die, das darf man mal hervorheben, kein Teil des Unterhaltungsbetriebs ist. Die Umstände, unter denen das Spiel stattfand, waren nachrichtlich relevant. Kein Wort davon am Sonntag in der Hauptnachrichtensendung des Deutschen Fernsehens. Wie wollen wir also leben? Mal entsprechend hoch eingehängt: Der BBC geht es gerade an den Kragen. Und weil öffentlich-rechtliches Fernsehen nicht mehr selbstverständlich ist, sollten diejenigen, die darin noch wirken dürfen, ihren Job machen, oder?

Damit zurück zum nächsten Länderspiel. Am Dienstag, im Risikogebiet Andalusien.

© SZ/beg
CDU-Politiker Friedrich Merz zu Gast bei "Anne Will"

"Anne Will" in der ARD
:Merz im Gegenwind 

"Anne Will" gerät zum vorgezogenen TV-Duell um die Kanzlerschaft. CDU-Mann Merz gibt nicht nur beim Thema Gendern den Vintage-Politiker - und bekommt dafür von SPD und Grünen so viel Kontra, dass man sich fragt, mit wem er koalieren sollte.

TV-Kritik von Thomas Hummel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite