Nachlese zum Münster-"Tatort" Arrogant undercover

Als Patient der Sanusklinik lässt sich Boerne nicht nur behandeln - sondern ermittelt auch undercover.

(Foto: WDR/Filmpool Fiction/Wolfgang En)

Sie wollen mitreden über den "Tatort"? Hier erfahren Sie, welche Szene aus "Mord ist die beste Medizin" die beste war und wie sich Professor Boerne als verdeckter Ermittler machte. Die "Tatort"-Nachlese - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Im Botanischen Garten bricht ein Mann zusammen. Ein junges Mädchen behauptet, es handele sich dabei um Mord. Da trifft es sich gut, dass Professor Boerne ausgerechnet jetzt seine Leber untersuchen lassen will. Der ansonsten ja sehr hypochondrische Pathologe hat sich in genau das Klinikum einweisen lassen, in dem der Mann aus dem Botanischen Garten, ein Apotheker, stirbt. Aus unerfindlichen Gründen. Boerne geht den Geschehnissen auf den Grund - und ermittelt verdeckt.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

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Bezeichnender Dialog:

Boerne kann es einfach nicht lassen. Aus seinem Krankenzimmer schleicht er sich nachts in die Pathologie des Sanusklinikums, um die Leiche des Apothekers zu inspizieren. Aber Oberarzt Dr. Wemmel schleicht hinterher und stellt ihn, kurz darauf kommen Kommissar Thiel und Nadeshda Krusenstern dazu. Boerne redet Tacheles:

Boerne: Todesursache unbekannt. Warum schreiben sie bei Todesursache nicht einfach ihren Namen rein?

Dr. Wemmel: Ich hatte an dem Abend keinen Dienst. Hätte ich Dienst gehabt, stünde da jetzt eine anständige Diagnose.

Boerne: Da bin ich aber gespannt.

Dr. Wemmel: Nach so massiven Herz-Rhythmus-Störungen ist ein plötzliches Pumpversagen nicht ungewöhnlich. Unsere neue Assistenzärztin beschert uns mit ihren Zweifeln sehr viel Arbeit. Sie sehen, nicht nur arrogante Pathologen wissen, woran Patienten sterben.

Boerne: Und nicht nur Proktologen kennen sich mit Arschlöchern aus.

Die beste Szene:

Boerne liegt im post-operativen Narkosetaumel im Fahrstuhl, kommt immer mal wieder zu sich, dann verschwimmt sein Sichtfeld wieder. Auch das Gespräch zwischen Dr. Süßmilch und Geschäftsführerin Harris verfolgt Boerne unterbewusst. Süßmilch unterrichtet Harris von dem gepanschten Medikament, das den Krebspatienten des Klinikums verabreicht wird. Als Boerne hinterher mit Thiel über den Medikamentenschmuggel spricht, fragt er sich kurz, ob er von Dr. Süßmilchs Behauptung geträumt habe - feiert sich dann aber doch selbst als Genie.

Die besten Zuschauerkommentare:

Top:

Thiel und Boerne, Boerne und Thiel. Sie hassen und sie lieben sich. Und sie wirken schon fast wie ein altes Ehepaar, wenn der eine (Thiel) spätnachts noch wissen will, wie es dem anderen (Boerne) gehe. Ohne einander ist es eben schnell langweilig. "Ich verstehe gar nicht, warum sie ihn so vermissen", sagt Nadeshda Krusenstern an einer Stelle entnervt. Wir schon.

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Flop:

Je Münster, desto Klamauk. Mag ja sein. Aber bei einem älteren Herrn mit Faible für Volksmusik und einem DJ namens Bischudo (Come, on!) mit "Jo, Alter"-Gestik als Boernes Zimmernachbarn haben die Macher nun doch ein wenig zu tief in den Klischeetopf gegriffen.

Bester Auftritt:

Als gewiefte Klinikärztin gibt Anna Bederke ("Soul Kitchen") Professor Boerne frech Kontra. Auf ihrem persönlichen Ranking der anstrengendsten Patienten stünden Lehrer an erster Stelle. "Aber Sie sind auf dem besten Weg, meine neue Nummer Eins zu werden." Darüber hinaus lässt sie den Zuschauer lange im Unklaren darüber, wo sie wirklich steht.

Die Erkenntnis:

Überfordertes Klinikpersonal, korrupte Chefs und süchtige Mitarbeiter, die Medikamente schmuggeln. "Mord ist die beste Medizin" zeichnet bei allem Klamauk ein nicht gerade rosiges Bild vom Zustand in deutschen Krankenhäusern. Und, streicht man mal die platten Witze und Gags: ganz schön bitter.

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Anmerkung der Redaktion: 13,13 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend "Mord ist die beste Medizin" - die beste Einschaltquote der ARD-Krimiserie seit mehr als 20 Jahren.