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Maybrit Illner zu Flüchtlingen:"Warum deshalb das Asylrecht ändern?"

Söder kritisiert die Länge des deutschen Asylverfahrens: Niederlande zehn Tage, Schweiz teilweise nur 48 Stunden. Warum geht das hier nicht schneller? Dann aber steht er dem Sozialdemokraten zur Seite, geht mit Gabriel fast Hand in Hand. Mal abgesehen davon, dass Söder gleich das ganze Asylrecht, immerhin ein Grundrecht in Deutschland, verschärfen will. Gabriel wiederum stimmt seinem Kollegen aus Bayern in einzelnen Punkten zu, fragt dann aber: "Warum deshalb das Asylrecht ändern?"

Die Begrüßungseuphorie wird der Ernüchterung weichen, warnt ein Zuschauer. Gabriel antwortet sehr realistisch: Ja, man brauche auch Wohnungsbau, "aber bitte nicht nur für Flüchtlinge". Und: Man dürfe den Menschen nichts vormachen. Im kommenden Jahr werde nicht wieder alles gut sein - und es werde auch Konflikte mit den Neuen geben.

Jetzt ist es Zeit, dass auch DIHK-Präsident Eric Schweitzer auf eine europäische Lösung pochen darf, gleichzeitig aber auch eine riesige Chance für die alternde deutsche Gesellschaft sieht. Durch die frühe Ausbildung und Weiterbildung der Flüchtlinge, die bleiben werden. Die Wirtschaft sei sich ihrer Verantwortung bewusst. Der Mann der Industrie- und Handelskammer wirkt seltsam verkehrt in dieser Runde, zumal er mit einer Legende aufräumen mag: Denn etwa zwei Drittel der Flüchtlinge seien für den deutschen Arbeitsmarkt gar nicht qualifiziert.

"Deutschland in exzellenter wirtschaftlicher Verfassung"

Dann lässt Illners Redaktion einen 27 Jahre alten Syrer vor die Kamera, der ein wenig besser Deutsch kann als der Autor dieses Textes Arabisch (Bolbol - Nachtigall, Shawarma - Döner, Aleikum Salam - Ciao). Er ist ausgebildeter Elektroingenieur, der in Homs seine eigene Firma hatte und vor einem Jahr flüchtete. Warum Deutschland? "Ich liebe Deutschland, ich mag gerne Fußball spielen, die Clubs."

Wahid Al-Buni macht gerade ein Praktikum in Potsdam. Hat Furcht vor der Nichtanerkennung eines Papiers, das er nicht mehr im Original hat, aber die deutsche Bürokratie verlangt. Doofe Situation. Aber so bezaubernd Herr Al-Buni auch sein mag: Gab es da nicht noch bessere Beispiele?

"Nach der Willkommenskultur kommt die Mitmachkultur" fordert Söder da aber schon. Er redet wie Gabriel von der positiven Tatsache, dass die Massen an Flüchtlingen auf den "Höhepunkt der wirtschaftlichen Entwicklung" nach Deutschland kommen würden. "In Bayern haben wir Gemeinden mit nur zwei Prozent Arbeitslosigkeit." Vieles sei deshalb machbar und zu wuppen.

"Dieses Land ist in exzellenter wirtschaftlicher Verfassung", assistiert nun Gabriel ihm. Der oberste Sozialdemokrat verweist auf die Milliarden für den Ausbau der Kitas, für den Wohnungsbau, für die Solidarrente. Es sei eine Fehlinformation, dass gerade alles Geld nur in Richtung Flüchtlinge fließen würde.

"Vielleicht ist das ja auch alles ein riesiges Konjunkturprogramm für Deutschland", fügt die junge SPD-Stadtteilpolitikerin Giffey hinzu. Schließlich kämen viele Menschen gerade durch die Flüchtlingsströme in Arbeit und eine ganze Industrie entsteht gerade um diese Menschen. Vielleicht also alles doch gar nicht so schlimm?

Wer hilft uns? Diese Frage wurde nicht beantwortet. Ist halt irgendwie auch eine irre Frage. Ein bisschen Hippie. "Man kann hier einfach nicht zu einem Punkt kommen", sagt Illner nach einer Stunde. Punkt.

© SZ.de/lala/dayk
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