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Maischberger-Talk über sexuelle Vielfalt:Amüsant, aber nicht aussagekräftig

Das tat Sandra Maischberger zwar auch - irgendwie. Zunächst wurde, reichlich uncharmant, das Ehepaar Alicia und Nicki King vom Podium komplimentiert. Das war insofern nicht schlimm, als dass auch das Transgender-Pärchen - Alicia kam als Alexander zur Welt - eher in die Kategorie Showbiz gehört: Die beiden stellen ihr Glamourleben an der Côte d'Azur regelmäßig in der Vox-Sendung "Goodbye Deutschland" zur Schau. Passend dazu erzählte Alicia King von einer Outing-Party nach ihrer Geschlechtsumwandlung: "300 Leute, richtig schön mit Diskothek, Lounge-Bereich, Büffet, Künstlern, die aufgetreten sind". Das mag zwar amüsant sein, aber aussagekräftig ist es nur bedingt.

Natürlich ist die Perspektive eines Transgenders wichtig, der sich erst in fortgeschrittenem Alter frei fühlt, sich zu seinem gefühlten Geschlecht zu bekennen, und dann den beschwerlichen Weg der Geschlechtsumwandlung und -anerkennung geht. Aber: Heute gibt es Eltern, die ihren Kindern von Klein auf ermöglichen, das Geschlecht zu leben, dem sie sich zugehörig fühlen. Es gibt Psychologen, die auf das Thema Transgender spezialisiert sind, und Ärzte, die diesen Kindern den Schmerz einer "falschen" Pubertät ersparen können. Warum wurde das nicht einmal erwähnt?

Möglicherweise, weil Sandra Maischberger noch einen weiteren Gast einführen wollte: Johannes Zeller, schwul, ließ sein Kind von einer Leihmutter in Thailand austragen. Dazu hatte nicht nur Frauenrechtlerin Schwarzer eine Meinung, auch AfD-Mann und Vierfach-Vater Höcke und die katholische Theologin und sechsfache Mutter Michaela Freifrau Heereman schalteten sich noch einmal in die Debatte ein. Überraschenderweise waren alle Parteien einer Meinung: Leihmutterschaft geht nicht (Schwarzer) - und schon gar nicht für Schwule (Höcke und Heereman).

Die Gründe der Ablehnung waren freilich sehr unterschiedlich: Schwarzer dachte vor allem an die Gefühle der gekauften Mütter. Dem selbsternannten "Anwalt der Kinder" Höcke ging es darum, dass ein Baby "optimal die Polarität der beiden Geschlechter spürt" - das sei nur in der klassischen Familie gewährleistet, die im Übrigen ja auch für unser Land ganz, ganz wichtig sei. Und die Freifrau wehrte sich dagegen, dass Heterosexualität und Familie "entnaturalisiert" würden.

"Das ist aber ein hübsches Foto, Herr Wowereit und ich"

Ach ja ... Was sonst noch war? Frau Maischberger bot Herrn Höcke Alkoholika an, damit er den Abend besser ertrage ("Wenn Sie ein Bier brauchen, sagen Sie Bescheid"). Frau Schwarzer freute sich über die Bebilderung der Sendung ("Das ist aber ein hübsches Foto, Herr Wowereit und ich. Das ist Sommer, oder?"). Und an irgendeiner Stelle einigte man sich darauf, dass ein Viertklässler nun wirklich nicht wissen muss, was Analverkehr ist.

Am Ende befand Conchita Wurst, dass hier doch Dinge "verstrickt" worden seien. Und auf die Abschlussfrage von Sandra Maischberger, ob denn noch viel zu tun sei, gab sie die Antwort, die 75 Minuten Sendung offenbart hatten: "Ja. Es ist wahnsinnig viel zu tun."

© SZ.de/fued/leja
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