Letzte "Anstalt" mit Urban Priol und Erwin Pelzig:"Merkel interessiert sich nicht für Politik"

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Volker Pispers legte nach mit seiner neuesten Theorie über Angela Merkel: "Die Frau interessiert sich für Politik überhaupt nicht", so sein Verdacht. "Die ist einfach nur gerne Kanzlerin. Oder nicht gerne zu Hause." Der Wähler wolle nun mal keine schlechten Nachrichten hören, und er wolle auch eigentlich keine Demokratie, sondern einen gütigen König. Das habe Merkel erkannt - und hypnotisiere seither sich selbst und auch ihr Gegenüber mit der "Raute der Macht", ihrer berühmten Handhaltung. Dabei sei ihr "egal, wer die Sänfte trägt, inzwischen ist ihr sogar völlig wurscht, wohin die Sänfte getragen wird: Die will da nur drinsitzen!" Damit erkläre sich ihr stetes Schwanken zwischen Zustimmung und Ablehnung, egal ob Atompolitik, Griechenland-Hilfen oder Steuererhöhungen.

Johlender Applaus im Publikum, genau wie bei Schramm - am Ende erheben sich die Hardcore-Fans in ihren weißen T-Shirts mit der Aufschrift "Danke für 62 Sendungen" im Rentner-Sender ZDF gar vor Begeisterung von ihren Stühlen.

Ein bisschen Pathos gibt es vonseiten der beiden Scheidenden dann doch noch, versüßt durch einen prächtigen Verbal-Ritt durch das typische deutsche Wohnzimmer, vorgetragen von einem sich verhaspelnden aber dennoch wortgewaltigen Jochen Malmsheimer. Er brach am Ende in theatralische Tränen darüber aus, dass Priol und Pelzig die Sendung verlassen - und hatte als Anstalts-Hausmeister ein gelb-blaues Plakat aufgehängt mit dem Motto: "Mission accomplished" ("Auftrag ausgeführt!"), bezogen auf das Wahlergebnis - zumindest auf die FDP. "Man muss sich eben an den ganz kleinen Dingen freuen", gab sich Priol betont vergnügt, während Pelzig sein Solo über Methoden der Meinungsmache und Manipulationsindustrie mit den traurigen Worten schloss: "Die Wahrheit ist so schockierend, die kann man niemandem mehr zumuten."

Uthoffs Watschen-Kompagnon

Wie es demnächst weitergeht mit der Anstalt, darauf gab Max Uthoff einen Vorgeschmack. Der "Hausjurist" der Sendung gab sich, gewohnt schneidig, die Ehre - und dem bayerischen Wähler die Schuld am gesamtdeutschen Wahlergebnis: "Die Wiesn is gmahd, der Kas is bissen - der bayerische Wähler hat's wieder verschissen." Weil er einen Mann in die Alleinregierung gehievt habe, der "mit der Virilität eines bekifften Hamsters" so schnell seine Meinungen wechsele, dass ihm seine alte Meinung manchmal schon wieder entgegenkomme. Wobei der Begriff Meinung etwas hochgegriffen sei, weil sich Horst Seehofer allein an Meinungsumfragen orientiere. Und Merkels Raute sei in Wahrheit eine Unterwerfungsgeste - die bayerische Flagge bestehe schließlich auch aus Rauten.

Mit diesen "messerscharfen Analysen" sehe er eine "große Zukunft" für Max Uthoff, ließ Priol verlauten - und dankte ab. Es sieht danach aus, als ob dem gelernten Juristen Uthoff mit dem vermeintlich milderen Münchner Claus von Wagner nun ebenfalls ein Watschen-Kompagnon zur Seite gestellt wird - man darf gespannt sein.

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