Letzte "Anstalt" mit Urban Priol und Erwin Pelzig:Sie bereuen nichts

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Urban Priol und Frank-Markus Barwasser.

Urban Priol und Frank-Markus Barwasser haben "Neues aus der Anstalt" verlassen.

(Foto: Tobias Hase)

Hoher Besuch zum Abschied der Anstaltsmacher: Georg Schramm und Volker Pispers wettern mit Urban Priol und Erwin Pelzig in deren letzter Ausgabe von "Neues aus der Anstalt" im ZDF um die Wette. Und ihr Nachfolger wetzt schon mal die Messer.

Von Ruth Schneeberger

"Da ist die CDU natürlich im Vorteil", trauert Urban Priol bei seinem Abschied aus der ZDF-Kabarett-Sendung Neues aus der Anstalt. Die werde sich nach den Koalitionsverhandlungen nämlich wieder die SPD "als Watschengesicht" holen - im Gegensatz zu ihm, der Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser als treuen Watschen-Kompagnon nun verliere.

Der Abschied der beiden Anstalts-Macher stand im Vordergrund der Sendung, die erst am 4. Februar 2014 fortgesetzt wird. Max Uthoff und Claus von Wagner übernehmen dann die Show.

Warum genau sich die beiden Kabarettisten aus der Anstalt zurückziehen, wurde nicht verkündet. Das Abschiedslied zum Schluss der Sendung, "Je ne regrette rien" ("Ich bereue nichts") legt nahe, dass es Ärger gegeben haben könnte - doch Genaues weiß man nicht. Fest steht: Priol und Pelzig verlassen die Show auf dem Höhepunkt ihres eigenen Erfolges. 3,61 Millionen Zuschauer hatte die Sendung im Juni, eine satte Einschaltquote von 16,5 Prozent. Es war die erfolgreichste "Anstalt", seit die beiden zusammen auftreten.

"Krieg der Reichen gegen die Armen"

Urban Priol hatte die politische Kabarettsendung 2007 zusammen mit Georg Schramm gestartet, nach dessen Ausscheiden 2010 war Erwin Pelzig hinzugekommen. So mancher Fan hatte seither den scharfzüngigeren Schramm vermisst, der sich währenddessen auf Solo-Bühnen abseits des TV verlustierte. Zu ihrer letzten Sendung war er wieder da - als Gast, genau wie Volker Pispers.

Das war nun genau nach dem Geschmack des Publikums: Schramm wetterte tüchtig - und eloquent wie eh und je - über den "zentralen Konflikt unserer Tage: den Krieg der Reichen gegen die Armen". Und bediente sich dabei aus seinem aktuellen Solo-Programm, angepasst ans aktuelle Tagesgeschehen. Der "Krieg der Reichen" nehme "Züge eines Drogenkrieges" an, die Droge sei das "billige Geld" für arme Länder, die damit abhängig gemacht würden von der weltweiten Finanzindustrie. Einmal angefüttert, würden sie später auf Entzug gesetzt - das Inkassounternehmen sei der Internationale Währungsfonds. Die Regierungen würden nicht eingreifen, weil sie selbst Kunden der Dealer seien. Irgendwann würden die Abhängigen aufeinander losgehen:

"Wenn ein Millionenheer von Flüchtlingen aus diesen ausgeplünderten Staaten im Süden Europas dann auf ein Millionenheer junger Arbeitsloser trifft - dann können wir froh sein, dass wir zwei Flugstunden davon entfernt in tiefstem Frieden leben und damit Gott sei Dank nichts zu tun haben", schloss Schramm nur vorgeblich versöhnlich.

"Merkel interessiert sich nicht für Politik"

Volker Pispers legte nach mit seiner neuesten Theorie über Angela Merkel: "Die Frau interessiert sich für Politik überhaupt nicht", so sein Verdacht. "Die ist einfach nur gerne Kanzlerin. Oder nicht gerne zu Hause." Der Wähler wolle nun mal keine schlechten Nachrichten hören, und er wolle auch eigentlich keine Demokratie, sondern einen gütigen König. Das habe Merkel erkannt - und hypnotisiere seither sich selbst und auch ihr Gegenüber mit der "Raute der Macht", ihrer berühmten Handhaltung. Dabei sei ihr "egal, wer die Sänfte trägt, inzwischen ist ihr sogar völlig wurscht, wohin die Sänfte getragen wird: Die will da nur drinsitzen!" Damit erkläre sich ihr stetes Schwanken zwischen Zustimmung und Ablehnung, egal ob Atompolitik, Griechenland-Hilfen oder Steuererhöhungen.

Johlender Applaus im Publikum, genau wie bei Schramm - am Ende erheben sich die Hardcore-Fans in ihren weißen T-Shirts mit der Aufschrift "Danke für 62 Sendungen" im Rentner-Sender ZDF gar vor Begeisterung von ihren Stühlen.

Ein bisschen Pathos gibt es vonseiten der beiden Scheidenden dann doch noch, versüßt durch einen prächtigen Verbal-Ritt durch das typische deutsche Wohnzimmer, vorgetragen von einem sich verhaspelnden aber dennoch wortgewaltigen Jochen Malmsheimer. Er brach am Ende in theatralische Tränen darüber aus, dass Priol und Pelzig die Sendung verlassen - und hatte als Anstalts-Hausmeister ein gelb-blaues Plakat aufgehängt mit dem Motto: "Mission accomplished" ("Auftrag ausgeführt!"), bezogen auf das Wahlergebnis - zumindest auf die FDP. "Man muss sich eben an den ganz kleinen Dingen freuen", gab sich Priol betont vergnügt, während Pelzig sein Solo über Methoden der Meinungsmache und Manipulationsindustrie mit den traurigen Worten schloss: "Die Wahrheit ist so schockierend, die kann man niemandem mehr zumuten."

Uthoffs Watschen-Kompagnon

Wie es demnächst weitergeht mit der Anstalt, darauf gab Max Uthoff einen Vorgeschmack. Der "Hausjurist" der Sendung gab sich, gewohnt schneidig, die Ehre - und dem bayerischen Wähler die Schuld am gesamtdeutschen Wahlergebnis: "Die Wiesn is gmahd, der Kas is bissen - der bayerische Wähler hat's wieder verschissen." Weil er einen Mann in die Alleinregierung gehievt habe, der "mit der Virilität eines bekifften Hamsters" so schnell seine Meinungen wechsele, dass ihm seine alte Meinung manchmal schon wieder entgegenkomme. Wobei der Begriff Meinung etwas hochgegriffen sei, weil sich Horst Seehofer allein an Meinungsumfragen orientiere. Und Merkels Raute sei in Wahrheit eine Unterwerfungsgeste - die bayerische Flagge bestehe schließlich auch aus Rauten.

Mit diesen "messerscharfen Analysen" sehe er eine "große Zukunft" für Max Uthoff, ließ Priol verlauten - und dankte ab. Es sieht danach aus, als ob dem gelernten Juristen Uthoff mit dem vermeintlich milderen Münchner Claus von Wagner nun ebenfalls ein Watschen-Kompagnon zur Seite gestellt wird - man darf gespannt sein.

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