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BBC-Interview mit Prinzessin Diana:"Scoop des Jahrhunderts" unter Verdacht

Todestag Prinzessin Diana

Diana und Charles am Tag der Bekanntgabe ihrer Verlobung im Jahr 1981.

(Foto: dpa)

Im Jahr 1995 sprach Prinzessin Diana in einem Interview mit dem BBC-Journalisten Martin Bashir. Nun soll es eine Untersuchung geben - wegen Zweifeln an der Entstehung des Gesprächs.

Von Alexander Menden

Das Interview, das der britische Fernsehjournalist Martin Bashir im November 1995 mit Diana, Prinzessin von Wales, für die BBC führte, war der wichtigste Moment seiner Karriere. Der damals 32-Jährige, in London als Sohn pakistanischer Eltern geboren, hatte bis dahin eine solide, aber eher unauffällige Laufbahn in verschiedenen Formaten der BBC verzeichnet. Dann aber ergatterte er das Gespräch, das ihn berühmt machen sollte. Drei Jahre nach der Trennung von Prinz Charles stellte Diana darin unter anderem dessen Eignung als Thronfolger infrage, berichtete von der Affäre mit Rittmeister James Hewitt, sprach über ihre Bulimie und ließ über ihre Rivalin Camilla Parker Bowles den berühmten Satz fallen: "Wir waren zu dritt in dieser Ehe - es war ein bisschen überfüllt."

Die British Broadcasting Corporation nannte das Interview damals "den Scoop des Jahrhunderts". Doch nun, ein Vierteljahrhundert später, hat der Sender eine "umfassende unabhängige Untersuchung" angekündigt. Darüber, wie Martin Bashir Zugang zu Diana bekam und sich das Gespräch sicherte. Dianas Bruder, Charles Spencer, hat zum wiederholten Male den Vorwurf erhoben, dass Bashir Dokumente gefälscht und andere betrügerische Taktiken angewandt habe, um das Vertrauen der Familie Spencer zu gewinnen.

Die BBC ließ den Vorgang bereits 1996 untersuchen

Mitauslöser für die Untersuchung ist ein weiteres Interview, das der britische Fernsehsender ITV angekündigt hat. Darin wird dem Vernehmen nach der damals für die BBC tätige Grafikdesigner Matt Wiessler darlegen, wie Bashir ihn beauftragte, Kontoauszüge zu fälschen. Diese Auszüge erweckten den Eindruck, Mitarbeiter der königlichen Familie hätten Geschichten über Diana an diverse Zeitungen verkauft und eine Überwachung der Prinzessin veranlasst. Vorberichten zufolge sagt der Grafikdesigner im ITV-Gespräch, er habe damals als "Sündenbock" herhalten und daher die BBC verlassen müssen. Laut Charles Spencer waren die von Wiessler auf Bashirs Geheiß hin gefälschten Dokumente und weitere Täuschungen der einzige Grund dafür, dass er den damals unbekannten Mitarbeiter der Magazin-Sendung Panorama überhaupt seiner Schwester vorgestellt habe.

All das ist nicht neu. Die BBC ließ den Vorgang bereits 1996 untersuchen und sprach Bashir von jeglichem Fehlverhalten frei. Der Journalist habe die fraglichen Dokumente zwar in Auftrag gegeben, sie jedoch nicht verwendet, als er die darin enthaltenen Informationen nicht belegen konnte. Ein BBC-Sprecher räumte damals ein, es sei "keine sehr gute Idee" gewesen, diese Dokumente anfertigen zu lassen. Doch da sie "in keiner Weise für das Interview mit Prinzessin Diana verwendet" worden seien, könne man Bashir keinen Vorwurf machen.

Der Journalist selbst kann sich nach Angaben seiner Ärzte nicht äußern, da er sich derzeit von einer vierfachen Bypassoperation erholt und noch immer mit den Folgen einer schweren Covid-19-Erkrankung zu Beginn des Jahres kämpft. Auf Druck von Dianas Bruder, der dem Sender eine "fragmentarische Entschuldigung" und "Regenbogenjournalismus" vorwirft, hat BBC-Generaldirektor Tim Davie nun versprochen, mittels einer "robusten Untersuchung" die Wahrheit herauszufinden. Charles Spencer fordert eine posthume Entschuldigung und die Spende eines Teils der finanziellen Gewinne, die der Sender durch den weltweiten Verkauf des Interviews gemacht hat, an eine Wohltätigkeitsorganisation.

© SZ/ebri
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