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Kirchliche Verlagsgruppe:Rasant geänderte Anforderungen des Marktes

Bereits Anfang September hatten Medien berichtet, dass dem Weltbild-Verlag die Insolvenz drohe. Carel Halff hatte diese Darstellungen dementiert: "Es kann keine Rede davon sein, dass Weltbild im Bestand gefährdet ist." Er bestätigte, dass er das Unternehmen derzeit an die rasant geänderten Anforderungen des Marktes anpassen müsse und derzeit mit Banken über eine Refinanzierung dieses Prozesses verhandle. Doch es gebe "kein Anzeichen", dass die Kreditinstitute den Geldhahn zudrehen. Die Finanzierung werde Anfang 2014 unter Dach und Fach sein.

Ist das Turbo-Outsourcing vom Kundendienst am Betriebsrat vorbei nötig, um Zeit zu gewinnen? Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer sagte vergangene Woche überraschend offen: "Der Druck ergibt sich aus den sachlichen Zusammenhängen und Zwängen, denen sich die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat zu stellen haben."

Manager Halff hält sich dagegen bedeckt. Wie viel der Umbau - weg vom stationären Buchhandel, hin zum Internet- und Digital-Geschäft - kostet, verrät er nicht. Nur so viel: 2013 und 2014 werde das Unternehmen rote Zahlen machen. Auch die Höhe der Verluste beziffert er nicht. Was durchsickerte, ist: Carel Halff verhandelt mit Banken und Bischöfen über Geldspritzen.

Ende September trafen sich die kirchlichen Gesellschafter zu einer außerordentliche Versammlung in Fulda. Ein Rettungsplan wurde beschlossen, über dessen Details schwiegen sich die Bischöfe allerdings aus.

Der Weltbild-Verlag gehört zwölf deutschen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der katholischen Soldatenseelsorge Berlin. Diese sind sich allerdings nicht einig, was mit dem Unternehmen geschehen soll. Das Erzbistum München bevorzugt eine Überführung in eine Stiftung. Dies wurde zwar schon 2012 beschlossen - aber nie umgesetzt. Andere Diözesen drängen dagegen nach wie vor auf einen Verkauf des Unternehmens.

In zwei Jahren sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden

Zwischen all diesen Befindlichkeiten stehen die 6800 Mitarbeiter, etwa 2300 davon in Augsburg. Carel Halff verspricht, es werde bis 31. Januar keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Und danach? "Wir werden die Gespräche mit dem Betriebsrat sehr schnell und lösungsorientiert führen, um zu guten sozialverträglichen Lösungen zu kommen." Dass nicht nur im Kundenservice Personal abgebaut werden wird, hat Halff bereits angedeutet: "Schon mehr als ein Fünftel aller Bücher, die wir online verkaufen, sind E-Books. Dass wir da weniger Menschen brauchen, die Päckchen schnüren, ist doch klar."

Zu seinen allgemeinen Zielen sagt Halff: "In zwei Jahren muss das Haus bestellt sein." Dann sollen auch wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Mit wie vielen Mitarbeitern ist offen.

© SZ vom 22.10.2013/pak
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