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Kirchliche Verlagsgruppe:Weltbild wankt

Weltbild-Filiale

Weltbild-Filiale: Rot dominiert als Farbe, allerdings nicht nur bei der Inneneinrichtung sondern auch bei den aktuellen Geschäftszahlen.

(Foto: Weltbild)

Die Verlagsgruppe Weltbild treibt ihre Sparpläne unerwartet forsch voran. Mindestens 140 Mitarbeiter stehen vor der Entlassung, ohne dass der Betriebsrat des kirchlichen Unternehmens zuvor je informiert worden wäre. Die Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft Verdi sind stinksauer.

Die ins Schlingern geratene Verlagsgruppe Weltbild drückt bei der Umsetzung ihrer Sparpläne mächtig aufs Tempo: Völlig überraschend - und ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat - gab das katholische Medienhaus am Montag bekannt, den Kundendienst von Frühjahr 2014 an von externen Firmen erledigen zu lassen. Damit stehen 140 Personen in der Augsburger Zentrale vor der Entlassung - und ein weiterer Personalabbau gilt als wahrscheinlich.

Das ungewöhnlich forsche Vorpreschen der Geschäftsführung legt folgenden Schluss nahe: Die Finanz-Situation des Unternehmens ist vielleicht angespannter, als es Geschäftsführer Carel Halff bislang dargestellt hat. Zudem zeichnet sich nun ein konfliktträchtiger Machtkampf zwischen Management und Arbeitnehmervertretern ab: Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi kündigen massiven Widerstand an.

Der Betriebsrats-Vorsitzende Peter Fitz wirft sowohl Geschäftsführer Carel Halff und dem Münchner Generalvikar Peter Beer als Aufsichtsrats-Chef eine "rücksichtslose" und "kurzsichtige Kurzschlussreaktion" vor, die gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstoße und dem Unternehmen langfristig schade.

"Diese Hauruck-Aktion hat nur ein Ziel", sagt Fitz, "die Geschäftsführer wollen Eigentümer und Banken durch vermeintlich entschlossenes Krisenmanagement beeindrucken." Das Gesetz sehe aber vor, "dass Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam nach Lösungen suchen, um Kündigungen zu vermeiden". Dies sei nicht geschehen, deshalb wollen die Betriebsräte die Kündigungen nicht akzeptieren.

Geschäftsführer Halff begründete die Schließung der Abteilung mit der angespannten Marktsituation: "Angesichts unserer Verlustsituation haben wir keine andere Möglichkeit, als diese Arbeiten extern zu vergeben." Die Kosten für diesen Betriebsteil lägen "erheblich über denen des Marktes".

Arbeitnehmervertreter stinksauer

Nach Angaben von Mitarbeitern bezifferte er das Einsparpotenzial durch das Outsourcing vor der Belegschaft auf 7,5 Millionen Euro pro Jahr. "Mit dem Betriebsrat wurden Gespräche über einen Interessensausgleich vereinbart", teilte Halff mit.

Das klingt nach einem abgestimmten Vorgehen, doch die Arbeitnehmervertreter zeigten sich vor den Kopf gestoßen und stinksauer. "Die Belegschaft wurde informiert, ohne dass der Betriebsrat zuvor beteiligt war", kritisierte Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck.

Nach seinen Angaben waren für Dienstag Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung über das weitere Vorgehen geplant. Dass das Management diese Runde nicht mehr abwartete und stattdessen im Alleingang vorpreschte, werten Experten als Indiz für die angespannte Lage des Verlagshauses.

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