"Hubert und Staller" im Ersten So enden Männerfreundschaften

Unzertrennlich? Christian Tramitz als sarkastischer Misanthrop Hubert, und Helmfried von Lüttichau als kindlicher Tollpatsch Staller.

(Foto: Katrin Krammer/ARD/TMG)
  • Im Weihnachtsspezial von Hubert und Staller sind Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau zum letzten Mal zusammen zu sehen.
  • Von Januar an läuft dann Hubert ohne Staller, was sich viele Fans noch nicht recht vorstellen können.
  • In der finalen Folge steigt Lüttichau jedenfalls fast nebenbei aus. Und Tramitz ließ bereits durchblicken, dass das Ende nicht endgültig sein muss.
Von Wolfgang Prochaska

Jede Trennung tut weh. Seit bekannt ist, dass Helmfried von Lüttichau aus der Serie Hubert und Staller aussteigt, sind Freunde des bayerischen Vorabendkrimis in Trauer. Und das sind viele: Laut BR schauten die vergangene siebte Staffel durchschnittlich 2,63 Millionen Zuschauer (Marktanteil 10,1 Prozent), die Spitze lag bei 3,07 Millionen. Und jetzt: Ende. Und viele, viele Nachrufe in den Kommentarspalten im Netz.

Zum Trost sendet die ARD noch ein 90 Minuten langes Weihnachts-Spezial zur Primetime und schiebt schon im Januar die neue achte Staffel nach, die natürlich nicht mehr so heißen kann wie zuvor. Geändert wurde der Titel allerdings nur minimalinvasiv mit vier Buchstaben zu "Hubert ohne Staller." Kann das gut gehen? Sagen wir, es ist nach Ansicht der ersten Folgen noch schwer gewöhnungsbedürftig.

Kann man mehr erreichen als diese beiden in Bayern? Ach was, in der ganzen Welt?

Denn Lüttichau als Polizeiobermeister Johannes Staller und Christian Tramitz als sein Kollege Franz Hubert vom Polizeirevier Wolfratshausen, die dort und rund um den Starnberger See ermitteln, fühlen sich doch, sagt Hubert in "Eine schöne Bescherung", wie "Siamesische Zwillinge, allerdings zwei Körper und nur ein Hirn". Dieses Hirn neigte immer zum gepflegt irren Anarchismus beim Lösen der Fälle. Die beiden sind in ihrer Eigenart das bislang kompletteste Komikerduo der ARD, Tatort Münster hin oder her. Hubert als sarkastischer Misanthrop, und Staller, der kindliche Tollpatsch mit Hang zu Brüllattacken. Allein Lüttichaus Mimik kann einer ganzen Szene eine abgrundtiefe Komik verleihen. Helmut Dietl bekannte sich einst ebenso als Freund der Serie wie Dominik Graf. Kann man mehr erreichen in Bayern, ach was, in der ganzen Welt?

"Tatort" feiert Jubiläum

Je abstruser, desto Münster

Weil die letzte Folge "Eine schöne Bescherung" heißt und in viel Weihnachtsmusik getunkt ist, erhalten alle Protagonisten ihre Bescherung: der überforderte Polizeichef Girwidz (Michael Brandner) mit der Scheidung von seiner Frau, Polizistin Lena Winter (Klara Deutschmann) darf sich verloben, was für ihren heimlichen Verehrer Martin Riedl (Paul Sedlmeir) nicht so schön ist, und bei Hubert steht plötzlich ein Mädchen vor der Tür, das seine Tochter sein will. Ihr Kinderlein kommet!

Die Folge (Regie: Sebastian Sorger und mit Herbert Knaup in einer Gastrolle) beginnt mit einem Blindflug durch die verschneite oberbayerische Landschaft. Die Scheibenwischanlage ist eingefroren, aber Hubert und Staller wollen eine gute Tat vollenden. Es wurde Geld gesammelt für eine alte Frau, weil sie die Rundfunkgebühr nicht gezahlt hat. Leider ist die 85-Jährige tot, stark mumifiziert. Und wie sich herausstellt, ist sie nicht friedlich gestorben.

Staller kommt der Serie übrigens fast nebenbei abhanden, er gewinnt beim internen Glücksloseziehen eine dreitägige Reise nach Rom und verliebt sich im Zug in eine Blondine und das war's. Am Ende kehrt er noch mal kurz zurück. Die letzte Einstellung zeigt aus der Vogelperspektive: Hubert und Staller lachend auf Parallelfahrt mit zwei Autos, bis sich an einer Einmündung ihre Wege trennen. So enden Männerfreundschaften.

Oder doch nicht? Staller ist ja nicht tot, und Christian Tramitz meinte bei der Vorstellung der achten Staffel, dass eine Rückkehr von Lüttichau doch nicht unmöglich sei. Er muss es wissen: Er kennt Lüttichau noch aus seiner Schulzeit in München. Wenn das mal keine Weihnachtsbotschaft ist.

Hubert und Staller: Eine schöne Bescherung, Das Erste, 20.15 Uhr.

Fernsehkrimi Es ist vorbei

Letzter "Polizeiruf" mit Matthias Brandt

Es ist vorbei

Hanns von Meuffels war immer der große Melancholiker unter den Polizeiruf-Ermittlern. Regisseur Christian Petzold schenkt ihm nun zum Abschied eine wunderbar surreale Episode.   Von Claudia Tieschky