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Historienfilme:Wenn Tschechien fürs Fernsehen zu Deutschland wird

TANNBACH - Schicksal eines Dorfes (2)

Tannbach erzählt die Geschichte eines geteilten Dorfes an der innerdeutschen Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Kulisse für den Film bot ein böhmischer Weiler.

(Foto: Stephan Rabold/ZDF)

Wann immer deutsche TV-Macher vom Krieg oder vom Mittelalter erzählen wollen, kommt Tschechien als Drehort in Frage. Daran gibt es auch Kritik.

Jedes Mal, wenn Jiří die schwarze Wollmütze in seiner Hand sinken lässt, wird auf der Besuchertribüne gemurmelt und protestiert. Die 102 Komparsen sind herausgeputzt, wie es sich im Jahr 1950 gehört: Männer tragen Fliege zum Anzug, Frauen Hut zum Kleid - vor allem aber sind sie bestens dressiert.

Deutsch verstehen die wenigsten, ihren Einsatz verpassen sie trotzdem nicht, auch nicht als die Probe vorbei ist und sie ohne den dritten Regieassistenten und dessen Mütze auskommen müssen.

Die Kleinstadt Mladá Boleslav, nordöstlich von Prag: Im verlassenen Justizgebäude ist wieder was los - wenn auch nur für einen Tag und in einem Trakt. Unter der Regie von Matthias Glasner ( Blochin) entsteht hier eine Gerichtsszene für den ZDF-Zweiteiler Landgericht , der keineswegs in Tschechien spielt, aber dort gedreht wird, wie inzwischen ein großer Teil der deutschen Fernsehfilme.

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Vor allem dann, wenn sie, wie Landgericht, nicht in der Gegenwart spielen. Die Szene spielt in Mainz, was in Landgericht ebenso in Tschechien liegt wie England. Etwa zur Hälfte entstand der Film in und um Prag. Am vergangenen Mittwoch fiel nach 57 Drehtagen in Havanna (dem echten!) die letzte Klappe.

Etwa 50 zumeist historische Filme aus der ganzen Welt werden jedes Jahr in Tschechien gedreht - und das deutsche Fernsehen gehört hier zu den allerbesten Kunden: 2014 waren es zehn Produktionen, davon acht fürs TV, die 36,4 Millionen Euro im Nachbarland ausgegeben haben.

Geld vom Staatsfonds

Tschechische Historien-Produktionen prägen unser an inhaltlichen Experimenten eher armes Fernsehen ähnlich stark wie die unzähligen Regionalkrimis.

Die Orientierung nach Osten liegt zum einen daran, dass sich hier Dörfer finden, in denen man ohne ganz großen Kulissenaufwand Nachkriegsatmosphäre schaffen kann.

Vor allem aber hat die Entscheidung "rein pragmatische Gründe", sagt Michal Pokorný, der mit seiner Prager Firma Mia Film Landgericht koproduziert, allen voran finanzielle. Seit 2010 zahlt der sogenannte Staatsfonds für Kinematografie 20 Prozent der in Tschechien anfallenden Herstellungskosten an die Filmemacher zurück: "Da muss man die Tschechen noch nicht mal mögen." Pokorný scheint für Illusionen nicht sehr anfällig zu sein.