Helge Schneider bei "Maischberger":"Die brauchen sich nicht zu bemühen um mich"

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In die Sendung von Sandra Maischberger ist Helge Schneider nicht zum witzeln gekommen.

(Foto: WDR/Melanie Grande)

Bei Maischberger distanziert sich Helge Schneider von Querdenkern und wirkt überraschend unklamaukig. Lustig wird es an anderen Stellen.

Nachtkritik von Kathrin Müller-Lancé

Es ist wahrscheinlich selten im deutschen Fernsehen ein Wasserglas so schnell geleert worden wie das von Helge Schneider in dieser Folge von "Maischberger. Die Woche". Vielleicht zehn Minuten dauert das Einzelgespräch mit dem Grandseigneur des Gaga-Humors, am Ende hat Schneider fast alles ausgetrunken. So ganz wohl scheint er sich nicht zu fühlen in diesem Format. Zuerst dreht er sich im Drehstuhl, dann rutscht er immer tiefer ins Polster, während Maischberger ihn abfragt.

Es beginnt mit Smalltalk. Schneider darf eine Botschaft loswerden über Cannabis ("Mit Drogen ist nicht zu spaßen") und die Schlagzeug-Künste seines elfjährigen Sohnes loben ("Wir sind gleichwertige Bühnenkollegen"). Dabei wissen doch beide, Interviewerin und Interviewter, dass es hier noch etwas anderes zu besprechen gibt. Irgendwann sagt Maischberger, pflichtbewusst: "Wir müssen übers Touren reden, Herr Schneider."

Damit hatte der Künstler in den vergangenen Wochen schließlich Schlagzeilen gemacht. Im Juli brach Schneider ein Strandkorb-Konzert in Augsburg ab, weil ihm das Konzept nicht passte. Seinen Abgang bepolterte er mit den Worten: "Da könnt ihr auch nichts für. Das System ist einfach fadenscheinig und dumm."

Er habe im Vorfeld nichts von dem Konzept gewusst, erzählt Schneider bei Maischberger. "Mein Agent vielleicht, aber ich guck doch nicht überall rein." Auf einmal wirkt der Komiker sehr unklamaukig. Die Kellnerinnen und Kellner, die zwischen den Strandkörben hin und her liefen, habe er für zu spät gekommene Gäste gehalten und sich geärgert. "Ich bin Improvisator, ich bin Komiker, ich bin Musiker. Im Affekt muss ich Sachen erfinden. Und dann wirst du immer unterbrochen." Dem Vorwurf, dass er sich durch seine Aktion mit Querdenkern gemeingemacht habe, weist Schneider von sich: "Die brauchen sich nicht zu bemühen um mich. Ich schließe mich keiner Organisation dieser Art an."

Für etwas Comedy sorgte der CSU-Mann in der Runde

Wer sich auf ein bisschen Comedy gefreut hatte, wird eher an anderen Stellen der Sendung fündig. Nein, nicht unbedingt bei Urban "Ich sach euch, Kinder" Priol, der mit seinen Späßchen nur beweist, dass er nicht wirklich zum Zukunftsteam des deutschen Humors gehört. "Wie soll der Russe zu uns kommen, bei der maroden Infrastruktur?", ist sein Kommentar zum Revival der Rote-Socken-Kampagne. "Kommt irgendwann Bruce Willis und klärt das alles auf?", ein weiterer zu seinen ersten Gedanken beim Angriff aus das World Trade Center vor zwanzig Jahren.

Amüsanter gerät das "Wahlkampf-Duell", bei dem Maischberger diesmal zwei bayerische Duz-Feinde zusammenpackt: Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, und CSU-Generalsekretär Markus Blume. Auch wenn sich klimaprogrammatisch die ein oder andere Parallele finden lässt, kabbeln sich die beiden brav. Auf Maischbergers Frage, ob er Markus Söder für den besseren Kanzlerkandidaten der Union gehalten hätte, antwortet dieser: "Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union." Und muss selbst ein bisschen grinsen.

Maischberger wiederum hebt die Mundwinkel, als sie Blume auf das Meldeportal für Steuerbetrug anspricht, das gerade in Baden-Württemberg eingerichtet wurde. In einem Tweet hatte Blume den Grünen vorgeworfen, sie würden damit "Denunziantentum fördern". Maischberger hat einen Screenshot vorbereitet, der zeigt, dass auch das Bayerische Landesamt für Steuern dazu aufruft, Fälle von Steuerhinterziehung zu melden. Zu sehen, wie Blume versucht, sich da herauszuwinden, ist doch wirklich ein bisschen lustig.

Helge Schneider bei "Maischberger": Kathrin Müller-Lancé würde gern von sich behaupten, nur in der Arte-Mediathek unterwegs zu sein. Aber dann schaut sie doch zu gern bei RTL exklusiv nach, was die Promis so machen.

Kathrin Müller-Lancé würde gern von sich behaupten, nur in der Arte-Mediathek unterwegs zu sein. Aber dann schaut sie doch zu gern bei RTL exklusiv nach, was die Promis so machen.

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