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Harald Schmidt: Abschied von der ARD:Alles wird gut. Irgendwie

Schnell und dreckig, das war mal Schmidts Erfindung - allerdings gepaart mit Bildung, kapitalismusfreundlicher, eher nicht linker Zeitgeistkritik und einem ausgeprägten Hass auf den Massengeschmack. Kein Late-Night-Talker ist hierzulande so lange auf Sendung. Keiner hat so wilde Ideen produziert, von der "Literaturwerkstatt" mit Playmobil bis zum "Nazometer", das bei Verstößen gegen die nachkriegsdeutsche Sprachhygiene loströtete. Eine einzigartige Mischung - die bei der ARD irgendwann zum Problem wurde.

Denn woran misst man einen Harald Schmidt - an der Konkurrenz? Welcher denn? Stefan Raab ist eine sympathische und zu Recht erfolgreiche Rampensau, aber ohne irgendeinen Tiefgang. Benjamin von Stuckrad-Barre, der zuletzt im Spartenkanal ZDF Neo auftreten durfte und noch um seine zweite Staffel verhandelt, wäre ein potentieller Nachfolger, allerdings wohl erst in ein paar Jahren, wenn er seine Zappeligkeit in den Griff bekommen hat.

Nein, eigentlich muss man Schmidt strenger messen - an Schmidt selbst. Und wer das tut, der kann diesen mauen Schlusspunkt nur bedauern. Es waren nicht nur die austauschbaren Herrenwitzchen über Kachelmann, Strauss-Kahn oder Schwarzenegger. Richtig schwach waren die launig aus dem Off kommentierten Einspielfilmchen. Der Fußballer Toni Kroos läuft gegen eine Glastür. Im Parlament der Ukraine prügeln sich zwei Abgeordnete. Sowas. Oliver Pocher, den viele furchtbar, vor allem furchtbar pubertär fanden, als er noch als Co-Moderator von Schmidt im Ersten auftrat, erzählt solche Gags auch. Oder Mario Barth.

Zum Glück waren da noch die letzten zehn Minuten - die einen denken ließen: Alles wird gut. Irgendwie. Rolf Hochhuth, die Anzugjacke lässig über die Schultern geworfen, nuschelte Provokationen in den Raum, dass es eine einzige Freude war. Am heftigsten war seine Verteidigung der ARD-Moderatorin Anne Will, die ihren sonntäglichen Sendeplatz bald für Günther Jauch räumen muss. Hochhuth lästerte nicht nur über den "konsensfrommen Herrn Jauch", er verglich die Macht derer, die bei der ARD ganz oben bestimmen, gleich mal völlig maßlos mit Goebbels. Wer seien die denn überhaupt, rief er ins Publikum. "Die Gremien", antwortete Schmidt - und nannte als Beispiele den Landfrauenverband und die Katholische Jugend. Da war er, der gute, alte, böse Schmidt.

Ganz am Ende erklärte der inzwischen sehr warmgelaufene Hochhuth, dass nur eine gewaltsame Revolution die verkorksten Verhältnisse in diesem Land verändern könnte. "Das ist doch mal ein Schluss", sagte Schmidt. Und: "Ich hoffe, Sie kommen dann wieder." Sie auch, Herr Schmidt.

© SZ vom 04.06.2011/beitz

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