Medienkolumne "Abspann":Mille Grazie

Die Giovanni Zarrella Show

"Unser neues Wohnzimmer, mein neues Zuhause": Giovanni Zarrella will, dass sich seine Gäste in der neuen Sendung wohlfühlen - wie in der Pizzeria seiner Eltern.

(Foto: Sascha Baumann/ZDF)

Giovanni Zarrella moderiert nun seine eigene Schlagershow im ZDF. Die Premiere gelingt - und droht dem Musiker dennoch einmal zu entgleiten.

Von Dennis Müller

Wenn ein Showmaster den ganzen Abend lang hört, wie unglaublich es sei, dass ausgerechnet er es zum neuen ZDF-Familienmoderator gebracht hat, kann ihn das hemmen oder beflügeln. Musiker Giovanni Zarrella, seit dem Wochenende Gastgeber seiner eigenen Samstagabendsendung, hat sich für Letzteres entschieden. Seine Giovanni Zarrella Show soll die Lücke füllen, die Willkommen bei Carmen Nebel im ZDF-Programm hinterlassen hat. Wofür der Schlager-Talk-Mix zuletzt noch stand, war schwer zu sagen. Von daher hatte Zarrella freie Hand, aus der Berliner Halle, wie er ankündigte, "unser neues Wohnzimmer, mein neues Zuhause" zu machen.

Für den ehemaligen Castingshow-Teilnehmer bedeutet das, wie er es ausdrückte, die Bühne gut drei Stunden lang in die frühere Pizzeria seiner Eltern zu verwandeln. Dort habe er gelernt, "ein guter Gastgeber zu sein und Sie zu Hause glücklich zu machen". Folglich nannte er seine Zuschauer ragazzi, und Künstlern wie Andrea Berg, Kerstin Ott und Álvaro Soler rief er nach ihren Auftritten mille grazie hinterher. Das alles hätte aufgesetzt wirken können, wenn man nicht um Zarrellas musikalische Neuausrichtung wüsste: Nach seinen Anfangsjahren im Castingband-Pop hat Zarrella zuletzt seine Nische im Covern deutscher Partyschlager auf Italienisch gefunden. Die freundliche Kellner-Art beizubehalten und nur die Parmesanreibe durch Moderationskarten einzutauschen, das scheint nun auch seine Herangehensweise ans Gastgeben vor Kameras zu sein.

Im Gespräch mit seinem Freund Pietro Lombardi lässt es der Moderator zu lässig angehen

Nur weil ein neuer, jüngerer Moderator durch so eine öffentlich-rechtliche Schlagersause führt, ändert sich aber nicht das komplette Prozedere eines solchen Abends. Das kennt man von Silbereisens Shows im Ersten, der Schlager zwar verjüngte, aber nicht revolutionierte. Das Mitklatschen des Saalpublikums ist weiterhin gesetzt, gesungen wird Playback, exaltiertes Mundaufreißen sowie immer wahnwitzigere Bühnenelemente sollen von der Asynchronität ablenken. Sängerin Maite Kelly betrat die Bühne zum Beispiel als Puppenprinzessin mit Aufziehrädchen auf dem Rücken, von ihrem Körper löste sich ein leuchtendes Plastikherz und stieg gen Decke empor. Eine "kleine, verrückte Idee", die beinahe nicht geklappt hätte, wie sie danach erzählte. Zarrellas Crew habe das Herz am Tag zuvor wieder zum Leuchten gebracht, obwohl es jahrelang nicht funktioniert habe - und wenn es nicht so kitschig wäre, könnte das das Motto des Abends sein. Denn Zarrellas Dankbarkeit, auf dieser Bühne stehen zu dürfen, die Schnitte zu seiner Familie ins Publikum, das Duett mit Papa Bruno - all das kommt an.

Wie das in einem neuen Zuhause nun einmal so ist, muss auch Zarella sich erst einleben. Er ließ nämlich zeitweise zu locker, vor allem als sein "kleiner Bruder", so kündigte er DSDS-Sieger Pietro Lombardi an, mit seinem Song fertig war. "Es ist mir gesagt worden, wir sollen ein bisschen quatschen", leitet Zarrella den Part ein, in dem eigentlich ein Talk hätte stattfinden sollen, der aber nie so richtig in Schwung kommen sollte. Diese wenigen Momente, in denen Zarrella hinter die Fassade blicken ließ, erinnerten an finstere Samstagabende mit einem anderen ZDF-Italiener: Markus Lanz bei Wetten, dass...? Sie seien Zarrella aber verziehen. Denn wo man es bei Lanz aus Fremdscham selten bis zum Ende durchgehalten hatte, freute man sich bei Zarrella noch auf einen Grappa.

© SZ/thba
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