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Gilmore Girls:Die "Gilmore Girls" feuern auf den Rest der Welt

Werden die neuen Gilmore-Girls-Folgen sich auf das besinnen, was die Serie so besonders gemacht hat? Hier im Bild: Rory (Alexis Bledel, links) und Lorelai (Lauren Graham).

(Foto: Saeed Adyani/Netflix)

Morgen startet die Neuauflage der "Gilmore Girls". Warum das so eine wichtige Serie ist? Weil hier Frauen eine Rolle spielen durften, in der sie bis dahin selten zu sehen waren.

Es gibt Serien, bei denen ist alles, was sie ausmacht, von Anfang an da. Als im Oktober 2000 die Pilotfolge der Gilmore Girls im amerikanischen Fernsehen lief, reichte schon die Eröffnungsszene, um zu zeigen, dass hier etwas Ungewöhnliches vor sich ging.

Da sitzt eine junge Frau im Café, ein Mann spricht sie an, er sei gerade auf der Durchreise in die nächstgrößere Stadt, beginnt er etwas holprig seinen Flirtversuch. "Du bist ein richtiggehender Jack Kerouac", erwidert die Frau ironisch. Der Mann schaut verdattert, offensichtlich kennt er weder den Schriftsteller Jack Kerouac noch dessen Reiseroman "On the Road", und man versteht sofort, dass die Sache damit gelaufen ist. Der Typ hat keine Chance mehr, er ist an seiner Bildungslücke gescheitert.

Etwas anderes als Männer im Kopf

Wer sich fragt, warum die Neuauflage der Gilmore Girls an diesem Freitag derart euphorisch erwartet wird, der braucht im Grunde nur diese allererste Szene anzusehen: Eine Frau wimmelt einen Mann mithilfe eines Autors der Beat-Generation ab. Gilmore Girls strotzt nur so von solchen lässig dahin geworfenen Anspielungen und es sind genau diese popkulturellen Referenzen, die am besten erklären, was die Serie so wirkmächtig gemacht hat.

Mit der alleinerziehenden Mutter Lorelai, ihrer bildungshungrigen Tochter Rory und deren Freundinnen Sookie und Lane kamen Anfang des Jahrtausends so unabhängige und schlagfertige Frauenfiguren ins Fernsehen, wie sie bis dahin selten zu sehen waren. Was Sex and The City zwei Jahre zuvor begonnen hatte, führte Gilmore Girls in einer familienfreundlicheren Variante fort, mit einem wichtigen Unterschied allerdings. Während die vier Frauen aus Sex and the City vor allem Männer im Kopf hatten, gab es bei den Gilmore Girls - zumindest in den ersten Staffeln - noch Anderes, über das es nachzudenken galt. Dieses Andere manifestierte sich in Regalen voller Bücher, CDs und Filme.

Im Internet kursieren Listen, die versuchen, die Mengen an Verweisen zusammenzutragen, die sich in sieben Gilmore Girls-Staffeln angehäuft haben. Charles Bukowski reiht sich da an Sylvia Plath und Spinoza, "Citizen Kane" an "Footloose" und den "Stadtneurotiker", Paul Anka an PJ Harvey und den Wu-Tang Clan. Eine einzige Gilmore-Girls-Folge enthält mehr Popkultur, als jeder durchschnittlich interessierte Mensch in einem Jahr konsumieren kann. Auf den ersten Blick könnte man dieses Referenz-Arsenal, mit dem die Figuren um sich feuern, als oberflächliche Angebereien abtun. Man täte den Gilmore Girls damit allerdings Unrecht, hat doch das Spiel mit den Verweisen eine entscheidende Funktion in der Serie.