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Serien-Comeback:So sind die neuen Folgen "Gilmore Girls"

GILMORE GIRLS

Und es war Sommer - zum ersten Mal im TV-Leben der Gilmore Girls: Rory (Alexis Bledel) und Mutter Lorelai (Lauren Graham) mit Sonnenschutz.

(Foto: Saeed Adyani/Netflix)

Nach neunjähriger Pause führt Netflix die "Gilmore Girls" fort. Die überwiegend weiblichen Fans können nun Abschied nehmen von ihren Heldinnen. Oder ist das noch gar nicht das Ende?

Unter Fernsehproduzenten ist es dieser Tage beliebt, Serien wieder aufleben zu lassen, die früher mal erfolgreich waren und dann jahrelang im Nachmittagsprogramm von RTL 2 oder Vox wiederholt wurden. Das Kalkül dahinter ist leicht zu durchschauen: Lief mal gut, könnte noch mal gut laufen. Außerdem muss man für solche Wiedergänger viel weniger Werbung machen als für neue Ware.

Solche "Revivals" gehen fast immer schief, weil es in der Regel ja einen Grund hatte, dass Akte X, Full House, Melrose Place und so weiter nach ein paar Staffeln abgesetzt wurden. Die Zuschauer von früher schauen heute also kurz rein in die neuen Folgen und merken dann, dass sie eigentlich gar nicht die Serie selbst vermisst haben. Sondern das Gefühl, das sie hatten, als sie damals vor dem Fernseher saßen. Und merken dann, dass man sich mit 40 eben nicht mehr so fühlt wie mit 20, ganz egal, was im Fernsehen läuft.

Die Gilmore Girls sprachen lieber über Norman Mailer und Harvard als über Mode und Männer

Gegen dieses Hindernis plappern von Freitag an nach neun Jahren Pause auch die Gilmore Girls an, jenes viel zu schnell sprechende Paar aus einer jungen Mutter im Dauerclinch mit den konservativen Eltern und ihrer gleichnamigen (!) Tochter, die man wohlwollend als Nerd und böswillig als Streberin bezeichnen könnte, das sich immer lieber über Norman Mailer, die Aufnahmeprüfung an der Uni Harvard und das neue Album von Sonic Youth unterhielt als über Mode und Männer. Millionen Klassensprecherinnen, Lehramtsstudentinnen und deren Mütter wollten das von 2000 bis 2007 sehen. Jetzt stehen die Chancen gut - besser als bei anderen Revivals -, dass sie nun auch wissen wollen, was aus den beiden geworden ist. Das hat mit einem Streit aus dem Jahr 2006 zu tun.

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Morgen startet die Neuauflage der "Gilmore Girls". Warum das so eine wichtige Serie ist? Weil hier Frauen eine Rolle spielen durften, in der sie bis dahin selten zu sehen waren.   Von Luise Checchin

Vor zehn Jahren konnte sich die Serienerfinderin Amy Sherman-Palladino mit dem damaligen Heimatsender der Serie nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Nach der sechsten Staffel schmissen Sherman-Palladino und ihr Co-Autor und Ehemann Daniel hin, einer der angestellten Autoren übernahm ihre Aufgaben - und fuhr den Karren an die Wand, so jedenfalls sehen das die Fans damals. Die siebte Staffel gilt als schlechteste der Serie, eine achte wurde gar nicht mehr in Auftrag gegeben.

Und jetzt, neun Jahre später, bekommen die Fans also doch noch das Ende, um das sie sich damals betrogen sahen. Es sei nicht einmal schwer gewesen, an die siebte, fremde Staffel anknüpfen, sagt Sherman-Palladino wenige Tage vor der Veröffentlichung der neuen Folgen beim Streamingdienst Netflix am Telefon: "Wir hatten wirklich Glück: Die hätten die siebte Staffel ja auch ganz anders ausgehen lassen können."

Weil sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute. Viel mehr darf man über die Handlung der neuen Episoden sowieso nicht sagen: Journalisten mussten im Tausch für die Möglichkeit, die Folgen vorab zu sichten, eine Art Schweigegelübde unterzeichnen.