"Foundation" auf Apple TV+:Das Wissen einer ganzen Galaxie

"Foundation" auf Apple TV+: Einsatz am Rand der Galaxie: Leah Harvey als Salvor Hardin in "Foundation".

Einsatz am Rand der Galaxie: Leah Harvey als Salvor Hardin in "Foundation".

(Foto: AP/AP/Apple TV+)

Isaac Asimov entwickelte in seinen Büchern die Welten der modernen Science-Fiction. Nun wird endlich eines seiner Werke zur Serie. "Foundation" setzt Maßstäbe.

Von Nicolas Freund

Gerade kann man es wieder an den Warnungen der Klimaforscher beobachten: Überbringer schlechter Nachrichten werden nicht gerne gehört. In der Antike und der Bibel riskierten solche Boten sogar oft ihr Leben, nicht selten wurden sie hingerichtet. Der Wissenschaftler Hari Seldon aus der Science-Fiction-Serie Foundation ist ein ganz besonderer Unglücksprophet, er sagt nämlich den Untergang eines ganzen Imperiums voraus.

In der fernen Zukunft hat die Menschheit die Galaxie kolonisiert, das Reich umfasst Hunderte Planeten mit vielen verschiedenen Völkern und Kulturen. Jener Dr. Seldon, gespielt von Jared Harris, hat mit der fiktiven Wissenschaft der "Psychohistorie", einer Mischung aus Psychologie und Mathematik, die Zukunft der Menschheit praktisch hochgerechnet. Sein Ergebnis: Die Zeit des Niedergangs habe längst begonnen, bald werde eine 30 000 Jahre währende Zeit der Barbarei anbrechen. Das will niemand gerne hören, schon gar nicht der Imperator, der seit Generationen geklont wird, denn wie sein Reich soll er natürlich ewig währen. Er verurteilt Seldon und seine gerade erst auf dem Hauptstadtplaneten Trantor eingetroffene, neue Assistentin Gaal Dornick (sehr toll: Lou Llobell) zum Tode. Das hier soll die Zukunft sein, aber es herrschen Zustände wie in der Bibel und der Antike.

Foundation basiert auf einer Buchreihe, die der amerikanische Autor Isaac Asimov in den 1940er-Jahren begann und die so etwas wie den Grundstein der modernen Science-Fiction bildet. Star Wars und Dune sind sehr offensichtlich von Foundation beeinflusst, und auch heute noch berufen sich Autoren wie Cixin Liu auf Asimov als großes Vorbild. Verfilmt wurden diese Grundlagenwerke selber bisher nicht, obwohl sie viele Ideen lieferten - galaktische Imperien, fantastische Planetenwelten - die vor allem von Star Wars sehr erfolgreich aufbereitet wurden. Denn erzählerisch spannt Asimov in den Büchern, die auch nur grob zusammenhängend erzählen und eher Sammlungen von Kurzgeschichten sind, den ganz großen Bogen. Er ließ sich inspirieren von dem viele Tausend Seiten langen, viele Jahrhunderte umfassenden "Verfall und Untergang des römischen Imperiums" von Edward Gibbon aus dem 18. Jahrhundert.

"Foundation" auf Apple TV+: Lou Llobell als Gaal Dornick. Sie kommt von einem Planeten, der die Wissenschaft verboten hat.

Lou Llobell als Gaal Dornick. Sie kommt von einem Planeten, der die Wissenschaft verboten hat.

(Foto: AP/AP/Apple TV+)

Asimovs Held Seldon schmiedet nämlich einen großen Plan, der ihm schließlich auch das Leben rettet: Der Untergang des Imperiums sei nicht aufzuhalten, aber die Phase zwischen dem Ende und dem Beginn eines neuen Reichs könne auf nur 1000 Jahre verkürzt werden. Dazu müsse lediglich das vorhandene Wissen gerettet und eine Encyclopedia Galactica erstellt werden. Laufzeit: mehrere Jahrhunderte; Mitarbeiter: 30 000; Kosten: sehr hohe - so könnte man das zusammenfassen, frei nach der Art, wie Niklas Luhmann einmal in einem recht bekannt gewordenen Ausspruch sein Wunschprojekt beschrieb. Der Imperator genehmigt schließlich das Projekt und setzt die verhängte Todesstrafe aus. Was hat er schon zu verlieren? Am Rande der Galaxie, wo praktisch Anarchie herrscht, soll Seldon seine Enzyklopädie schreiben.

Man ahnt, warum Foundation bisher nicht verfilmt wurde: Keine konstanten Figuren, Zeitsprünge von mehreren Jahrzehnten schon auf den ersten paar Dutzend Seiten, dazu ein obskures akademisches Projekt als Hauptthema. Die Serie von Apple TV+ hat sich deshalb die Vorlage nur zum groben Gerüst und Motivgeber genommen und das meiste dazuerfunden. Der Imperator ist nicht eine Person, sondern wird von drei Klonen in verschiedenen Altersstufen repräsentiert, was schauspielerisch und filmemacherisch eine tolle Idee ist. Es werden auch schon in den ersten Episoden fieseste Intrigen eingefädelt. Game of Thrones ist hier, das merkt man sofort, eines der großen Vorbilder der Serienmacher David S. Goyer und Josh Friedman.

"Foundation" auf Apple TV+: Spätrömische Dekadenz: Der Herrscher über das galaktische Imperium in drei Altersstufen.

Spätrömische Dekadenz: Der Herrscher über das galaktische Imperium in drei Altersstufen.

(Foto: Helen Sloan/AP/Apple TV+)

Ihr Foundation-Universum sieht durchweg fantastisch aus, die Serie hat schon in den ersten Folgen einen ganz eigenen Stil entwickelt. Gedreht wurde größtenteils in Irland und Island (auch wie Game of Thrones), nur manche reale Touristenattraktion wie die Bibliothek des Trinity College Dublin hätten ruhig etwas verfremdet werden können. Die Welt wirkt märchenhaft, trotzdem sind die Verweise auf die Gegenwart sehr offensichtlich: Terroranschlägen, sozialer Ungleichheit und gesellschaftlich abgehängten Regionen begegnet die Politik ratlos bis brutal. Es fehlt am politischen Willen zur Änderung und zur Selbstkritik, man könnte es spätrömische Dekadenz nennen.

So schön, durchdacht und gekonnt wurde in letzter Zeit selten das Eskapistische mit dem Fantastischen und dem Politischen vermischt.

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© SZ
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