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Finale von "Voice of Germany":Die Bühnenrekrutierung wurde zur Genüge ausgelotet

Der Moment entlarvte eine Schwachstelle der Castingshow. Denn jeder der vier Kandidaten hatte in einem der drei vorgeschriebenen Songs ein Duett mit einem professionellen Musikstar abzuliefern. Die Britin Leona Lewis teilte ihren Hit "Trouble" mit dem deutsch-amerikanischen Kandidaten Michael Lane, die erst 16-jährige Künstlerin Birdy sang ihr Lied "People Help The People" mit der 23-jährigen Isabelle Schmidt aus Greifswald und der spätere The Voice-Gewinner Nick Howard performte gemeinsam mit der Sängerin Emeli Sandé ihren Chartstürmer "Read All About It". Als besonderer Act des Abends war zudem Robbie Williams zu Gast, der eingangs ebenfalls mit allen vier Finalisten der Staffel sein Lied "Candy" live - und leider etwas schräg - sang sowie im Anschluss noch einen eigenen Auftritt bekam.

Für die Einschaltquoten von Sat1 mag die musikalische Promidichte an diesem Abend gut gewesen sein, dem System Castingshow war sie weniger zuträglich. Denn im direkten Vergleich verwiesen die arrivierten Künstler der Branche die Kandidaten zum großen Teil zurück auf ihre Plätze. Bis auf den Gewinner Nick Howard sahen die The Voice-Finalisten neben den großen Stars etwas blutleer aus. An ihrer Bühnenpräsenz und Ausstrahlung werden sie noch arbeiten müssen, wenn sie einmal erfolgreich werden möchten.

Es bleibt nun mal so: Eine gute Stimme macht noch keinen Pop- oder Rockstar. Insofern halfen auch die während der Show so oft ausgerufenen Wortmeldungen vom Typ "sehr geil" oder "es ist mir so eine große Ehre" nicht. Ein bisschen mehr Kritik und weniger floskelhafte Nettigkeiten hätten der Show gut getan.

Bislang steht eine echte Erfolgsstory noch aus

Eine Entdeckung der zweiten Staffel war hingegen der Moderator Thore Schölermann, der Stefan Gödde nach der ersten Staffel von The Voice Of Germany abgelöst hatte. Zugegeben: Schölermanns Fragetechniken sind nicht besonders ausgefeilt und manchmal schaut er an der Kamera vorbei. Dennoch überzeugt der 28-Jährige, der bislang als Darsteller in der ARD-Vorabendsoap "Verbotene Liebe" bekannt war, durch sein unverbrauchtes Gesicht, Witz und das gänzliche Fehlen von Profilierungsversuchen.

Fragt sich nur, wie lange er noch Gelegenheit haben wird, The Voice Of Germany zu präsentieren. Nicht, weil die Sendung zu schlecht wäre, sondern weil es wahrscheinlich ist, dass diese Art von Bühnenrekrutierung ihrem Ende entgegen blickt. Weil sie mittlerweile zur Genüge ausgelotet wurde. Weil es zum größten Teil der Show doch nur um Werbung geht und darum, ein neues Auto zu gewinnen. Und weil jedes Mal mitfiebern mit den Kandidaten das Fieber langfristig senkt.

Das Publikum weiß nun, dass Castingshows auch Menschen bekannt machen können, die begabt sind, eine gute Stimme haben und selbst Musik machen. Doch damit ebbt auch die erste Begeisterung irgendwann ab. Und es zeigt sich, dass das, worum es geht, ein alter Hut ist: auf der Bühne stehen, gut sein, berühmt werden, Geld damit verdienen, Haltung bewahren. Bislang steht eine solche Erfolgsstory noch aus. Noch hat keine deutsche Castingshow einen dauerhaft erfolgreichen Star hervorgebracht.