"Die Aldi-Brüder" Ein Film wie ein Phantombild

Zwei, die den Lebensmittelmarkt verändert haben: die Brüder Theo (Arnd Klawitter) und Karl Albrecht (Christoph Bach).

(Foto: Kai Schulz/WDR)
  • Die Brüder Karl und Theo Albrecht haben die Discounter-Kette Aldi gegründet und wurden damit zu den zu ihren Lebzeiten reichsten Menschen Deutschlands.
  • Über die beiden sind trotzdem kaum biografische Details bekannt.
  • Der Film zeichnet vor allem jenen Ausschnitt des Lebens der Brüder nach, der am besten dokumentiert ist: Die Entführung von Theo im Jahr 1971.
Von Martin Schneider

Geheimnisse sind immer interessant und am interessantesten wird es, wenn Menschen zum Geheimnis werden. Karl und Theo Albrecht waren keine Geheimnisse, sie waren Phantome. Viele Deutsche wissen ja noch nicht einmal, dass der Name des Ladens, in dem sie einkaufen gehen, eine Kunstwortabkürzung mit dem Nachnamen der Brüder war: Albrecht Diskont - Aldi. Die Brüder schafften es, unbekannt zu bleiben, als sie längst die reichsten Menschen der Republik waren. Das blieb bei Theo so bis zu seinem Tod im Jahr 2010. Karl starb 2014, erst kurz zuvor empfing er einen Journalisten und öffnete sich ein wenig. Doch Informationen über die zu ihren Lebzeiten reichsten Menschen Deutschlands, die ihr Vermögen mit den billigsten Preisen machten, gibt es bis heute wenige.

Die ARD wagt nun einen neuen Versuch, sie zeigt am Montag ein sogenanntes Dokudrama. Der Film zeichnet mit den Schauspielern Arnd Klawitter (Theo) und Christoph Bach (Karl) vor allem jenen Ausschnitt des Lebens der Brüder nach, der am besten dokumentiert ist: Die Entführung von Theo im Jahr 1971. Regisseur Raymond Ley hat Einblick in die Gerichtsakten bekommen und sagt, durch weitere Recherchen würde dem Film zum ersten Mal eine authentische Charakterstudie der beiden Brüder gelingen.

Im Film kommen in eingespielten O-Tönen Zeitzeugen wie Ursula Genschow, Aldi-Angestellte von 1949 bis 1955 ("Großzügig waren die nicht"), Walter Vieth, Geschäftsführer des ersten Aldi-Ladens. ("Theo hat viel strenger kontrolliert als Karl") oder Klaus Wygold zu Wort, der damals Richter im Entführungsprozess war. Auch Dieter Brandes tritt auf, langjähriger Manager bei Aldi Nord, Autor des Buches Das Aldi-Prinzip und so etwas wie die Primärquelle für jeden, der etwas über die Brüder herausfinden möchte. In Rückblenden zeigt der Film die wenigen bekannten historischen Wegmarken, etwa einen Vortrag von Karl Albrecht im Jahr 1953, wo sein lange Jahre einziges öffentlich gesichertes Zitat fiel: "Unsere Werbung liegt im billigen Preis."

Der Film zeichnet den Charakter der Brüder: Zielstrebig, konsequent und sparsam bis zur Absurdität. Das zeigt etwa die Anekdote, dass Theo Albrecht von seinen Mitarbeitern verlangt haben soll, einseitig beschriftetes Papier niemals in den Müll zu werfen sondern erst noch die zweite Seite zu verwenden. Oder auch Ideen, die bis heute den Einkauf prägen, nämlich die Anweisung von Theo an den Schreiner des ersten Aldi-Ladens, die Ablage nach der Kasse so kurz wie möglich zu machen, weil der Kunde dann schneller einpacken müsse und man so mehr Waren verkaufen könne. Ley hat einige solcher Anekdoten zusammengetragen. Angesichts der Tatsache, dass man so wenig weiß, ist schon das eine Leistung.

Die Aldi-Brüder, ARD, 20.15 Uhr.