Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher:Trauriges Elend

Als Gewinnerin Jenny Elvers und Zweitgewinnerin Natalia Osada die letzte halbe Stunde in ihrer Promi-Big-Brother-Behausung auf den Sieg warteten, konnten sie Ihr Glück kaum fassen. Draußen, hinter den Mauern des Luxus-Containers, und vor allem draußen vor den Bildschirmen, da hatten sich geschlagene zwei Wochen lang begierige bis gelangweilte Zuschauer und Medien laufend lustig über sie gemacht. Die beiden Blondinen taten nun aber so, als hätten sie mit dem Gewinn bei Big Brother irgendeinen leibhaftigen Sieg errungen, sie lachten und schrien und taumelten, trunken vor vermeintlichem Ruhm. Osada, zuvor Kandidatin bei Catch the Millionaire, sagte ehrfürchtig zu Elvers: "Du bist wieder da - und ich starte jetzt durch!"

Diese letzten Minuten des Trash-TV-Spektakels waren tragisch. Sie ließen erahnen, in welchem tatsächlichen Gefängnis sich Promis dieser Art befinden - weil sie sich schlicht über das Maß an Aufmerksamkeit definieren, das ihnen zuteil wird. Ob positive oder negative Aufmerksamkeit, ist längst egal.

Menschenfreundlicher als üblich

Es mag deshalb durchaus richtig sein, wenn die Moderatoren sich von solcherart Menschenzoo distanzieren. Anders als bei RTL, wo Sonja Zietlow und Dirk Bach sich mit denjenigen im Publikum gemein machten, die es richtig finden, wenn vermeintlich Verwöhnte sich im "wahren Leben" beweisen müssen, haben Cindy und Oli sich auf die Seite ihrer Gäste geschlagen. Das mag auch an der Auswahl der Promis liegen. Wie soll man denn etwa eine Jenny Elvers noch demütigen - oder eine Marijke Amado, die bei der letzten Challenge vor Erschöpfung zusammenbrach?

Es war - trotz allem - die menschenfreundlichere Variante beider Formate, sowohl des Dschungelcamps als auch von Big Brother, die Promi Big Brother dank der beiden Moderatoren lieferte. Das Problem ist nur: Das haben die Zuschauer nicht erwartet. Stattdessen ist das Publikum schon so an Häme und Schmähungen gewöhnt, zumal in Formaten wie diesen, die fast ausschließlich auf Erniedrigung bauen, dass die Seicht-Moderation der beiden schon fast das Scheitern der Sendung bedeutete. Vom "tiefen Fall" der Ilka Bessin alias Cindy aus Marzahn war in allen möglichen Veröffentlichungen hernach zu lesen. Auf ein Herausragen von Pocher indes hatte offenbar sowieso kaum jemand ernsthaft gehofft.

Neuer Schwung beim Fernsehpreis?

Bleibt abzuwarten, wie Cindy und Oli nun den Fernsehpreis in Köln begleiten. Die Verleihung, die an diesem Mittwochabend aufgezeichnet und am Freitag bei Sat 1 ausgestrahlt wird, moderiert nämlich dasselbe Duo. Nominiert sind unter anderem Let's Dance und The Voice Kids als "Beste Unterhaltungsshow" - oder auch Berlin Tag & Nacht und Shopping Queen als "Beste Unterhaltungs-Doku". Wenn die beiden diesmal ihren Job als Lästermäuler ernst nehmen würden, könnte das glatt gut werden - angesichts der traditionell eher lahmen Fernsehpreis-Verleihung.

Oliver Pocher hat das schon einmal versucht, als er 2011 den Fernsehpreis moderierte. Wie ein Weltmeister stänkerte er gegen Sender und Kollegen wie Lanz oder Schmidt. Am Ende wurde seine Moderation zensiert - und er entschuldigte sich anschließend. Und dass Cindy aus Marzahn innerhalb einer halben Woche ihre Lethargie überwunden hat, die sie in der Zusammenarbeit mit Pocher zu befallen scheint, ist wohl auch nicht zu erwarten.

Immerhin: Pocher twitterte am Wochende fleißig mit Boris Becker, im Streit über dessen neues Buch, Aussagen über ihre gemeinsame Ex-Partnerin, Frauen an sich und Alkoholprobleme im Besonderen. Wer also auf Schläge unter die Gürtellinie steht, darf sich wohl weiterhin über deren Verbreitung freuen - es wird sich immer ein Medium dafür finden.

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