bedeckt München 15°

Bundesliga-Rechte im TV:"Absolut verlässlicher Partner"

Hat Sky die Telekom mit einer Knock-out-Offerte in die Knie gezwungen? Die Ausschreibung sah vor, dass derjenige alles bekommt, worauf er bietet, wenn sein Angebot 20 Prozent über dem des zweithöchsten Angebotes liegt. So viel sei es nicht gewesen, lässt der Verlierer Telekom wissen. DFL-Manager Seifert teilt mit, Sky habe deutlich mehr geboten und sei in der Vergangenheit ein "absolut verlässlicher Partner" gewesen. Das ist in beiden Fällen wohl genau so gewesen, anders lässt sich der Fantasiegewinn kaum erklären. Sky-Vorstandschef Brian Sullivan preist die "Sicherheit" und die "Konsistenz", die dieser Rechte-Kauf mit sich bringe. Deutschland sei der letzte große Pay-TV-Markt, den es mit neuen Inhalten zu erschließen gelte.

Die Betonung "zuverlässig" im Zusammenhang mit Sky schien DFL-Chef Seifert wichtig. Zum einen macht Sky immer noch Verluste (zuletzt 277 Millionen Euro im Jahr 2011), trotz mittlerweile drei Millionen Abonnenten. Zum anderen wurde an diesem Dienstag auch nach der Solvenz der künftigen Medienpartner gefragt. Zu ihnen zählt jetzt auch der Axel Springer Verlag, der sich das "Paket M" sicherte. Das Berliner Medienhaus kann künftig Web- und Mobil-Clips (Tore, Höhepunkte) eine Stunde nach Spielende verkaufen und von Mitternacht an frei empfänglich in seine Online-Angebote - hauptsächlich bild.de - einstellen. Das wird die digitalen Plattformen der Verlagsgruppe stärken.

Ironischerweise hatte bild.de am späten Montagabend mit seiner falschen Behauptung, der Telekom werde am Ende wenigstens das Internetfernsehen bleiben, für Bewegung am Aktienmarkt gesorgt. Die Rolle von Springer als Partner der Deutschen Fußball-Liga einerseits und als Verleger der auf exklusive Bundesliga-News ausgerichteten Bild andererseits könnte für alle Beteiligten heikle Momente schaffen.

Kooperationsmodell mit der Telekom?

Fazit: Zunächst einmal hat der Springer Konzern mit seiner Investition (geschätzt zwischen neun und 13 Millionen Euro jährlich) zur Bereicherung der Fußball-Bundesliga beigetragen; Paket M ist neu. Auch die ARD legte zu, bekommt zu zwei Live-Spielen (Saisoneröffnung, erstes Rückrundenspiel mit Beteiligung des Meisters) fünf Partien des Liga-Pokals in der Saison-Vorbereitung. Die ARD wird insgesamt kaum weniger zahlen als bisher (rund 100 Millionen), das ZDF auch nicht (fast 20 Millionen Euro). Sky wird alle 612 Spiele der ersten und zweiten Liga erstmals auf allen Verbreitungswegen verkaufen können und vor allem Sky Go aufwerten können, weil die Verwertungskette nun geschlossen wird (PC, Ipad, Iphone).

Ob sich Sky mit der Telekom auf ein Kooperationsmodell einigen wird, ist fraglich, aber nicht unwahrscheinlich. Sky hat entsprechende Verträge mit den Mobilfunkanbietern Vodafone (verkauft sogar Sky-Abos) und O2 sowie Kabel Baden-Württemberg oder Tele Columbus. Telekom-Manager Illek sagt, nur zehn Prozent der Kunden der eigenen Internet-Plattform Entertain seien wegen des Fußballs dabei - und nun werde Sky vermutlich so offen und kaufmännisch sein, der Telekom Unter-Rechte abzutreten. Das eigene Telekom-Produkt Liga Total aber hat über den Sommer 2013 hinaus keine Zukunft. Vorbei mit Moderator Johannes B. Kerner, der 260 000 Kunden samstags das Geschehen auf dem Rasen erklärt. Liga Total werde es "in dieser Ausprägung nicht mehr geben", bekennt Manager Illek.

Dass sich die DFL für Sky entschied, mag - unabhängig vom Angebotsniveau - damit zusammenhängen, dass die Telekom medienrechtlich auf schwierigem Gelände agiert. Sie hat als Unternehmen mit staatlichem Gesellschafter beim Rundfunk sehr auf Staatsferne zu achten. Die Lizenz für Liga Total stellt deshalb Sport 1 zur Verfügung, der zu Constantin Medien zählende Sportsender. Die Telekom, so ließ der Konzern jedenfalls vorher verbreiten, war an einem Kauf sämtlicher Rechte interessiert, die dann größtenteils weiter gereicht werden sollten. Das aber hätte umgehende Klagen zur Folge gehabt.

DFL-Manager Seifert betont, dass das Bundeskartellamt seit 20 Monaten in jede Phase der Ausschreibung Einblick gehabt habe, dass die Auktion diskriminierungsfrei und transparent gewesen sei. Doch klar ist auch: Murdochs Experten wird zugetraut, Pay-TV in Deutschland profitabel zu machen - eher jedenfalls als der Deutschen Telekom. Und dafür setzt Murdoch ungebremst viel Geld ein. Ein rentables System von Bezahlsendern würde den Wettkampf um die Bundesliga-TV-Rechte weiter steigern.

"Deutschland hat einen außerordentlich schwierigen Medienmarkt", sagte DFL-Präsident Rauball, "um so erstaunlicher, dass so ein Abschluss erzielt wurde." Nun gelte es, die Einnahmen in einer gesunden Mischung aus "Leistungsgedanke und Solidarität mit den Schwachen innerhalb der Familie der Profiklubs" zu verteilen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

© SZ vom 18.04.2012/cag

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite