Bambi-Verleihung 2010 Jubel mit Schimpansen-Lauten

Der Verzicht auf einen festen Moderator an diesem "Bambi"-Abend verschlankte den Ablauf und ersparte banale Witzeleien wie jene, an denen sich im Vorjahr Katarina Witt und Tom Bartels sowie davor Harald Schmidt versucht hatten. So traten die Laudatoren einfach direkt auf. Und da war natürlich noch Sarah Jessica Parker, die Kolumnistin Carrie Bradshaw aus der Fernsehserie Sex and the City, die in Potsdam als Fashion-Ikone vorgestellt wurde. Nach einem deutschen Auftaktsatz begrüßte sie das Publikum auf Englisch und wurde so ihrer Rolle als Gastgeberin mit Hollywood-Feeling gerecht.

Weil es so schön war und weil sich die Kosten für Gage und Flug auch lohnen sollen, erhielt die Amerikanerin gegen Ende auch noch einen "Überraschungs-Bambi", den Franziska van Almsick überreichte. Das Gerede von der "lovely surprise" war allerdings des Guten zu viel. Sarah Jessica Parker wurde im Übrigen im ersten Teil vom gutaufgelegten Komödianten Michael Mittermeier flankiert. Gelobt wurden die Verdienste der TV-Frau, weil die deutschen Männer all das erforschen wollten, worüber in Sex and the City Carrie und ihre drei Freundinnen bei ihren Sexgesprächen diskutierten.

Mittermeier wusste dann auch zu berichten, warum die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika so weit gekommen war - weil Shakira auf dem Hinflug den Spielern bei Siegen "Waka-Waka" versprochen habe. Die Sängerin präsentierte ihren Hit gewohnt hüftschwungvoll. Der mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnete Trainer Joachim Löw verbreitete Charme und ließ später am Abend für Fotos mit Fans seine Bambi-Trophäen nicht mehr los.

Dieser Abend hatte einige starke Momente, zum Beispiel als die Primatenforscherin Jane Goodall ihren Bambi "Unsere Erde" mit Potsdamer Kindern auf der Bühne feierte und Schimpansen-Laute ausstieß. Oder als Karl Lagerfeld die korpulente Beth Ditto lobte, die danach mit ihrer Band Gossip rockte, ein Gläschen Champagner schlürfte und zum Schluss "Tschüssi!" brüllte. Der Schauspieler Michael Mendl würdigte Christoph Schlingensief, der posthum den Bambi in der Kategorie Kultur bekam. Und die blinde Skilangläuferin Verena Bentele wurde von der Sprinterin Verena Sailer auf die Bühne geführt. Beide erhielten den Sport-Bambi.

Das deutlich verjüngte Programm musste einen Ausreißer verkraften, als die Zuschauer nicht etwa die vielfach ausgezeichneten Produktionen Danni Lowinski (Sat 1) oder Der Kriminalist (ZDF) zur Serie des Jahres wählten, sondern Um Himmels Willen mit Janina Hartwig und Fritz Wepper. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass man in der ARD war. Wepper jedenfalls verwies darauf, den ersten Bambi schon 1970 (es war 1969) erhalten zu haben und lobte penetrant Hubert Burda, "unseren Großmeister". Auf solche Ranschmeiß-Touren hatten Gott sei Dank die anderen Prämierten diesmal verzichtet.

Ansonsten machte Schauspieler Orlando Bloom (Bambi Charity) ordentlich Reklame für Unicef, gab Unheilig (Pop National) den Song Geboren um zu leben etwas zu schwülstig, ließ Florian David Fitz (Schauspieler National) den Erfolg von Vincent will Meer noch einmal auferstehen, war Hannah Herzsprung (Schauspielerin National) sympathisch nervös, klangen Hurts (Bambi Shooting Star) wie eine New-Wave-Kapelle der achtziger Jahre, zeigten sich Jana und Sophia Münster (Bambi Talent) noch überwältigt von ihrem Erfolg als Hanni und Nanni und waren schließlich Claus Muchlow, Daniela Lesmeister und Tom Wenzel (Bambi Stille Helden) eindrucksvoll engagierte Bürger der Zivilgesellschaft.

Nach drei Stunden TV-Übertragung verlagerte sich das Geschehen in den Vorraum. Dort gab Peter Maffay mit einer Großgruppe (fünf Gitarren) ein Unplugged-Konzert, das Hits wie Über sieben Brücken aber auch den Golden-Earring-Song Radar Love beinhaltete. Der Sänger fühlte sich von dem Abend so angetan, dass er am Schluss seine muskulösen, tätowierten Oberarme zeigte. Auch Verleger Burda war in der ersten Reihe beim Maffay-Ausklang dabei.

Viel Wirbel ums goldene Rehkitz

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