Arte-Themenschwerpunkt zum Klimawandel:Brandgefährlich

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Arte-Themenschwerpunkt zum Klimawandel: Momentaufnahme aus "Megafreuer: Der Planet brennt" - Waldfeuer in Kalifornien. Auch in Australien spitzt sich die Situation momentan immer weiter zu.

Momentaufnahme aus "Megafreuer: Der Planet brennt" - Waldfeuer in Kalifornien. Auch in Australien spitzt sich die Situation momentan immer weiter zu.

(Foto: Kari Greer/USFS)

Arte zeigt an einem quälend sehenswerten Themenschwerpunkt, wie sich Umweltkatastrophen zuspitzen.

Von Stefan Fischer

Jedem, der gerade sommerliche Urlaubslaune verspürt, sei diese vergönnt. Scheint sie doch notwendiger denn je zu sein. Denn eine gewisse Grundzuversicht kann helfen angesichts dessen, was auf die Menschheit - inklusive der privilegierten Bewohner West- und Mitteleuropas - in absehbarer Zeit zukommt.

Trotz des Krieges in der Ukraine, der Energiekrise und einem weiteren Corona-Winter ist das gravierendste Problem der Klimawandel. Arte zeigt gleich vier Dokumentationen zu vier Aspekten von dessen äußerst bedrohlichen zeitnahen Auswirkungen. Das sind pausenlose fünf Stunden voller wahrscheinlicher, konkreter Katastrophenszenarien - diese geballte Konfrontation muss man erst einmal aushalten können. So wichtig es für jeden Menschen ist, eben immer wieder auch abschalten zu können: Es hilft nichts, die Augen dauerhaft zu verschließen vor diesen Entwicklungen, die durch den Klimawandel ausgelöst und durch fortdauernde Ressourcenausbeutung verstärkt werden. Was zu gravierenden Dürren, Großbränden und Überschwemmungen führt.

Die Grundstimmung dieses quälend sehenswerten Themenabends ist dabei keineswegs alarmistisch. Es geht auch nicht um etwaige Rechthabereien derjenigen, die es schon immer gewusst haben. Es geht um Fakten. Und darum, dass sich zu den grundlegenden Ursachen der Erderwärmung durch einen zu hohen Ausstoß von Kohlendioxid immer auch massives lokales und regionales Fehlverhalten addiert, durch welches sich Szenarien drastisch zuspitzen.

Das System bestraft den Landwirt, der nachhaltig arbeitet

Besonders anschaulich zeigt Jens Niehuss dies in seiner Dokumentation Dürre in Europa. Untertitel: Die Katastrophe ist hausgemacht. Wie absurd fehlgeleitet die Agrarpolitik der Europäischen Union teilweise ist, erklärt das Beispiel eines deutschen Ökolandwirts. Er hat auf seinen Äckern teilweise Haine gepflanzt. Die Bäume werfen Schatten, verringern die Erosion des fruchtbaren Bodens, der außerdem mehr Wasser speichern kann. Das hat drei Folgen. Zum einen hat sich das Mikroklima rund um seine Äcker verbessert, es bleibt dort kühler. Zum zweiten erzielt der Landwirt höhere Erträge, ohne die Böden dafür auszulaugen oder künstlich bewässern zu müssen. Aber auch: Er kassiert weniger Subventionen. Denn die EU zahlt stur nach Fläche. Wo aber Bäume stehen, wächst kein Getreide, also gibt es dafür auch keine Unterstützung.

Arte-Themenschwerpunkt zum Klimawandel: Szene aus "Dürre in Europa": Rumänien ist in Europa besonders stark von der Dürre betroffen. Ackerland wird zur Staubwüste, Gewässer wie der Nuntasi-See trocknen aus Spätfolgen des Kommunismus.

Szene aus "Dürre in Europa": Rumänien ist in Europa besonders stark von der Dürre betroffen. Ackerland wird zur Staubwüste, Gewässer wie der Nuntasi-See trocknen aus Spätfolgen des Kommunismus.

(Foto: tvntv)

Wie in letzter Konsequenz ganze Landstriche versteppen durch eine Landwirtschaft, in der nur bis zur nächsten Ernte gedacht wird, lässt sich drastisch an einem Beispiel aus Rumänien zeigen: Auch drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist es dort nur punktuell gelungen, einen durch großflächige monokulturelle Bewirtschaftung zugrunde gerichteten, für die Landwirtschaft nicht mehr nutzbaren Boden zu revitalisieren. Genauso richtet die Forstpolitik der vergangenen Jahrzehnte große Schäden an: In Deutschland etwa sind die Hälfte aller Bäume entweder Fichten oder Kiefern, die oft nicht mehr das bilden, was man einen Wald nennen kann. Was sich negativ auswirkt auf die Stabilität dieser Ökosysteme, speziell auf die Speicherkapazität von CO₂ und den Wasserhaushalt.

Wo große Getränkekonzerne produzieren, gibt es inzwischen messbare Auswirkungen auf das Grundwasser

Um Wasser geht es im zweiten Film des Abends: Jörg Daniel Hissen thematisiert in Auf dem Trockenen, wie große Getränkekonzerne in Vittel, Volvic und der Lüneburger Heide die Wasserressourcen ausbeuten. Indem sie Wasser nicht wie kleinere Unternehmen nur für einen regionalen Markt abfüllen, sondern für den Export. An allen drei Orten gibt es trotz der Beteuerungen der Unternehmenssprecher, nachhaltig zu arbeiten, inzwischen messbare Auswirkungen auf das Grundwasser. In Vittel sind sogar Baugenehmigungen zurückgezogen worden mit dem Argument, man könne die Wasserversorgung für die künftigen Bewohner nicht sicherstellen - es geht um ein Dutzend Haushalte, während der benachbarte Konzern zur gleichen Zeit Grundwasser für 1,6 Milliarden Flaschen jährlich entnimmt, die es in halb Europa in Supermärkten zu kaufen gibt.

Von der zunehmenden Gefahr von Waldbränden handelt Megafeuer: Der Planet brennt, von der wachsenden Wahrscheinlichkeit, dass es zu verheerenden Überschwemmungen in küstennahen Millionenstädten kommt, Unter Wasser: Megacities in Gefahr. Hierbei ist der steigende Meeresspiegel im Übrigen nur ein Teil des Problems. Viel gravierender ist, dass etliche der an Flussdeltas gelegenen Millionenstädte kontinuierlich absinken, teilweise unter das Niveau des Meeresspiegels. Auch dieses Problem ist menschengemacht, und es lässt sich wie bei vielem, was dieser Themenabend zeigt, nur schwer gegensteuern.

"Zu trocken, zu heiß, zu nass: Klimawandel und die Folgen", Themenschwerpunkt, Arte, 16. August, ab 20.15 Uhr, oder in der Mediathek.

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