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Kritik an Arte:Regie ist kein Hobby

Nina Hagen

Der Song "Unbeschreiblich weiblich" der Sängerin Nina Hagen aus dem Jahr 1978 soll zum Titel der Ausschreibung inspiriert haben, sagt Arte.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Arte schreibt einen Kurzfilmwettbewerb aus und erntet herbe Kritik ausgerechnet von denen, die der Sender fördern wollte: jungen Filmemacherinnen.

Von Aurelie von Blazekovic

"Unbeschreiblich weiblich" sollte dieser Wettbewerb nicht nur heißen, sondern im Ergebnis auch werden. Der Sender Arte hat ihn Ende Oktober ausgeschrieben. "Regisseurinnen gesucht", steht über dem Text, mit dem der Sender zu einem Kurzfilm-Dokumentarwettbewerb in Frankreich und Deutschland aufruft. "Warum nur an Frauen?", fragt man darin und antwortet sich gleich selber: "Fakt ist, dass viel zu wenig Dokumentarfilme von Frauen auf Arte gezeigt werden. Ganz besonders gilt dies für die Primetime." Selbstkritisch zeigt man sich also in der Ausschreibung und packt das Problem gleich an, so könnte man meinen. Die besten Kurzfilme sollen gesendet werden, der Gewinnerin werde ein Entwicklungsvertrag für ein 52-minütiges Dokumentarfilmprojekt angeboten. Das belege den Willen zur Frauenförderung, dachte man sich vermutlich bei Arte, hoffte vielleicht auch auf Beifall und sah nicht kommen, was stattdessen geschah.

Herein wehte ein flammender Protestbrief, verfasst von den Autorinnen und Regisseurinnen Pary El-Qalqili und Biene Pilavci von der Initiative "NichtMeinTatort", unterschrieben war er von 700 Menschen aus der Filmbranche, unter anderem Doris Dörrie und Frederick Lau. Die Initiatorinnen kritisieren den Arte-Aufruf scharf. Sie geißeln die diskriminierende Festlegung auf das Thema Weiblichkeit, außerdem empört sie der Aufruf zur unentgeltlichen Herstellung der Kurzdokumentarfilme, den sie als ausgrenzend beschreiben. "Regie ist nicht unser Hobby, sondern unser Beruf", heißt es. Junge Filmemacherinnen und Unterstützerinnen des Briefs stellten außerdem ein Video online: #wirwarenimmerda. Regisseurinnen müsse man nicht suchen, so die Botschaft darin, denn es gebe sie seit Jahrzehnten. Was stattdessen fehle: große Sendeplätze für Frauen - und solche, in denen ihre Weiblichkeit nicht das zentrale Thema sein muss.

Arte reagierte in einem Statement auf die Kritik. Man bedauere, dass die Intention des Wettbewerbs missverstanden worden sei. Das Motto "Unbeschreiblich weiblich" sei eine Anlehnung an den Song von Nina Hagen, "in dem sie die Selbstbestimmtheit von Frauen beschwört und sich von der konventionellen Frauenrolle distanziert". Den Initiatorinnen reicht diese Erklärung jedoch nicht, sie fordern konkrete und weitreichende Maßnahmen zur Förderung der Gleichberechtigung im Sender. Man wolle sich bald zu einem Gespräch zusammensetzen, gaben sowohl Arte als auch die Initiatorinnen an.

© SZ/beg/tyc
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