Medienkolumne "Abspann":Aus der Komfortzone

Umfragen - Duell der Kanzlerkandidaten

Armin Laschet (CDU, links), Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und Olaf Scholz (SPD), die Kanzlerkandidaten ihrer Parteien bei einer Diskussionsveranstaltung. Bei der ProSieben-Wahlshow werden die drei nach Laschets Absage nicht zusammenkommen.

(Foto: Christian Mang/dpa)

Armin Laschet sagt eine Wahlkampf-Show bei Pro Sieben ab. Na da schau an.

Von Peter Fahrenholz

Alles, was Armin Laschet derzeit macht, erinnert ein wenig an den legendären Spruch des ehemaligen Fußballers Jürgen Wegmann, der ein Spiel mal so zusammenfasste: "Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu". Der Kanzlerkandidat der Union hat gegenwärtig, um in der Sportsprache zu bleiben, einen Anti-Lauf. Das wäre möglicherweise nicht so schlimm, wenn er vorher einen Lauf gehabt hätte. Aber er hatte auch vorher schon einen Anti-Lauf. Der einzige Lichtblick für Laschet war im Grunde das "Golden Goal", das er bei der Kür zum Kanzlerkandidaten gegen Markus Söder erzielte. Das war jetzt der letzte Sportvergleich, versprochen.

In dieser Woche musste Laschet, der ja immer etwas Karnevalprinzenhaftes ausstrahlt, bei der Frage, wen die Deutschen bei einer Direktwahl zum Kanzler wählen würden, Olaf Scholz an sich vorbei ziehen lassen. Der ist der Kandidat der SPD, was im Moment eher kein Vorteil ist und hat noch nie etwas Karnevalprinzenhaftes ausgestrahlt. Wenn selbst der dröge Scholz plötzlich vorn liegt, müsste Armin Laschet eigentlich darüber nachdenken, wie er seine einzig wirksame Waffe am besten in Stellung bringen kann: das sympathisch-seichte Geplauder.

Jetzt steht der Sender plötzlich ohne den wichtigsten Kandidaten da

Was wäre dazu besser geeignet als ein Fernsehformat, in dem man nicht nur danach gefragt wird, was man gegen den Klimawandel tun will oder gegen die steigenden Corona-Infektionszahlen? Sondern wo man einfach auch mal der fröhliche Armin aus Aachen sein kann? Und erzählen kann, wie man privat so ist. Die Wahl-Show von ProSieben mit den drei Kanzlerkandidaten wäre so eine Gelegenheit gewesen. Vielleicht hätte Armin Laschet da sogar noch mal die Bergmanns-Plakette seines Vaters aus der Tasche ziehen können. Die hat ihm ja schon bei der Wahl zum CDU-Chef Sympathiepunkte eingebracht.

Aber was macht Armin Laschet? Sagt einfach ab. Kneift. Jetzt steht der Sender plötzlich ohne den wichtigsten Kandidaten da. Ernsthafte politische Fragen und privates Geplauder im Fernsehen unter einen Hut zu bringen, ist eine heikle Gratwanderung. Vor allem, wenn die Moderatoren etwas unbedarft sind. So wie beim ersten ProSieben-Interview mit der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock im April. Beim Brigitte Talk vor wenigen Tagen wurde Olaf Scholz allen Ernstes gefragt, ob seine Frau, eine gestandene Landesministerin, weiter arbeiten würde, falls er Kanzler wird. Scholz hat die Fragestellerin auf eine Weise abtropfen lassen, die wieder einmal überhaupt nichts Karnevalprinzenhaftes hatte. Sie musste sich dann für ihre dumme Frage entschuldigen, für Journalisten die Höchststrafe.

Aber den beiden anderen mitten in der heißen Wahlkampfphase die Bühne allein zu überlassen, legt den Schluss nahe, dass in Laschets Umfeld ein gewisses Chaos herrscht. Man fragt sich, was eigentlich Laschets Medienberaterin Tanit Koch, die ehemalige Bild-Chefredakteurin, für ihr Geld so macht. Hält sie sich komplett aus solchen Fragen raus? Das wäre schlecht. Rät sie Laschet von solchen Anfängerfehlern ab, aber der hört nicht auf sie? Das wäre noch schlechter.

© SZ/hy
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