ARD Wo bleibt der Spaß im "Tatort" Münster?

Viel los im Tatort Münster: Boerne (Jan Josef Liefers) verletzt, Alberich (Chhristine Urspruch) besorgt - und hinten fuchtelt ein Mann mit einer Pistole rum.

(Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach)

Thiel und Boerne ermitteln im "Tatort" Münster mit weniger Gags als sonst. Leider tritt an die Stelle der üblichen Albernheiten nichts Nennenswertes.

TV-Kritik von Holger Gertz

Gleich zu Beginn sagt ein überhitzter Mann: "Ich will ihn krepieren sehen, er soll verenden wie ein krankes Tier." Dieses Begehren richtet sich gegen den Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne, der Mann erwähnt dessen "Ego, seine Hybris, seine Eitelkeit". Schon in der Eröffnungssequenz wird also der Ton gesetzt, Boerne bewegt sich diesmal nicht in einem riesigen Plastikschwan über einen Binnensee, er kutschiert auch nicht mit einer frisch geföhnten Ziege als Beifahrer im Cabrio durch Westfalen. Ihm droht stattdessen der Tod. Das ist der 30. Fall aus Münster, und anlässlich dieses Jubiläums wird die Gag-Dichte erheblich runtergedimmt: "Feierstunde" heißt die Episode.

Einerseits ist diese Verschlankung ja gut, in 29 Folgen haben Boerne (Jan Josef Liefers) und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) sämtliche Männerwitze, Medizinwitze und überhaupt alle Witzbereiche strapaziert, früher war das originell, zuletzt oft bemüht. Aber das Publikum sagt nicht nein. Im Sommer wurde ein Münsteraner Tatort von 2014 noch mal versendet, in dem Proktologen- und Hodenwitze dargebracht wurden: 7,52 Millionen Zuschauer.

Andererseits: Wenn man einem Format viele seiner Albernheiten austreibt, sollte etwas an die Stelle dieser Albernheiten treten, möglichst etwas Nennenswertes. Regisseur Lars Jessen erzählt aber nur eine konstruiert wirkende Geschichte (Buch: Elke Schuch) um die Ungerechtigkeiten des Lebens und um jenen verzweifelten Mann vom Anfang, Professor Götz, der seinem Kollegen Boerne aus gutem Grund an den Kinnbart will.

"Harhar, was hab ich denn noch zu verlieren"

In einer Gaststätte kommt es zum berüchtigten "Wettlauf gegen die Zeit", wie sie das in den preiswerteren Programmzeitschriften immer nennen. Professor Götz (Peter Jordan) nimmt die Festgesellschaft samt Boerne gefangen, natürlich dirigiert er einen Störsender, der alle Handywellen blockiert, und so übersteuert die Geiselnahme wirkt, so überzeichnet ist der aus der Bahn geratene Doktor Seltsam. "Harhar, was hab ich denn noch zu verlieren", keucht er, nicht nur das klingt eher nach Großstadtrevier als nach Tatort. Eine teuflische Therapeutin schiebt sich außerdem mehr und mehr ins Bild, das ist dann endgültig die eine Irre zu viel.

Die Gagroutine wird mit dem Jubiläumsfall durchbrochen, aber die Geschichte ist zu schwach. Münster, ein Schicksal: Wenn man es mit den Witzen ewig übertrieben hat, kommt man aus der Nummer irgendwann nicht mehr raus.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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